Die Literatur, das Schreiben, und vielleicht die Kunst im allgemeinen, sind Ausdruck der Sehnsucht nach Unsterblichtkeit, des Bedürfnisses ewig zu leben. Das Geschriebene wirkt viele Jahre nachdem der Schreiber gestorben ist. Das Geschriebene bleibt, jedenfalls auf voraussehbare Zeit, bestehen. Es geht mir nicht um den Ruhm, der mir im Leben nie beschert wurde, sondern um das "Fortbestehen" oder Fortwirken der eigenen Persönlichkeit. Ich entwickele ein Verständnis für des Dichters Anspruch auf ewigen Ruhm, den nicht nur Horaz sondern auch Shakespeare ausspricht. Die Erwartung des dauerden, bleibenden Ruhm ist verkehrt, ist ein Fehler, ob dieser Fehler als edel betrachtet werden sollte, wage ich nicht zu bestimmen. Milton nannte ihn "the last infirmity of noble mind." Ich vermute der Schlüssel zur Erkenntnis, und die Lösung mancher wesentlichen erkenntnistheoretischen Fragen, liegt im Bewusstsein, in der geistigen Tätigkeit, in den Gedankenvorgängen im Gemüt des Einzelnen, ihrem Wesen gemäß unmitteilbar, aber dennoch erlebbar. Betrachtung der verschiedenen Traumebenen ermöglicht eine Ahnung der Beschaffenheit, Beschränktheit und Unzuverlässigkeit meines Wirklichkeitsbewusstseins. Wenn ich fähig bin mir vorzustellen, dass mein vernünftiges, bewusstes Wachen ebenfalls eine Spezies Traum ist, habe ich einen Schlüssel zum Verständnis meines absichtlichen Handelns gefunden. Daher die sokratische Einsicht, das einzige Wissen sei das Nichtwissen, denn die Vermutung und Ahnung der Bewusstseins beschränkung, der Bewusstseinstäuschung ist inwenig, ist subjektiv, und demgemäß nicht mitteilbar, indessen Mitteilbarkeit Vorbedingung ist für alles was Wissen genannt werden darf. Der wirkliche, der wirkungsvolle Wahn, vielleicht der endültige aufklärende Wahn, der Irrsinn des Alters ist die Überzeugung des Wertes, der Sinnhaftigkeit, due Gültigkeit meines Denkens, meines Schreibens. Diese Sinnhaftigkeit wäre eine gesellschaftliche Erscheinung, deren Beschränkungen, deren Hinfälligkeit keiner Erwähnung, geschweige denn eines Beweises bedarf.