20170814 Hab überlegt ob ich nicht die Gedanken, Gefühle, Einsichten, Beschlüsse die von Tag zu Tag, wenn nicht von Stunde zu Stunde mir durchs Gemüt ziehen, allenfalls täglich niederschreiben sollte, statt ihnen verkrampft in Briefen oder Gedichten oder Erzählungen Ausdruck zu geben. Mein Leben verwandelt sich von Monat zu Monat, wenn nicht gar von Stunde zu Stunde. Ist aber immer noch von der großen, gegenseitigen, fast unbeschreib- baren Liebe, nein nicht überschattet, sondern beleuchtet, glänzt von ihr, nährt sich von ihr, beglückt sich in ihr. Die vielen Photographien die ich mir nun in den 22 Monaten seit sie starb (fast) allabendlich angesehen habe, werden nicht alt. In unserem Briefwechsel aus den Jahren des Umeinanderringens lese ich (fast) jeden Tag, und im Laufe der Monate hat sich ein neues Verständnis von Ihr und von mir entwickelt, Einsichten die es mir erleichtern in meiner Einsamkeit zufrieden und produktiv zu sein. Heute abend ist es mir unverkennbar in welchem Maße ihre Erscheinung, ihr Auftreten Auftakt zu einer scheinbar grenzenlosen Idealisierung war, der ich bestrebt war sie in eine Iphigeniengestalt zu verwandeln, wo ich doch selbst das Weib das Iphigenie wirklich war, nicht verstand. Diese meine unrealistische und eigentlich unbegründete Idealisierung hat sie bezaubert, und hat eine Liebe für mich entzündet die sie nicht zu löschen vermochte. Es ist fast selbstverständlich dass meine Idealisierung sich nicht verwirklichen ließ; ebenso selbstverständlich aber dass die unmögliche Verwirklichung überflüssig gewesen wäre. In diesem Besonderen Falle haben sich die Gnade und der Segen der Entidealisierung bewährt, denn die einfache nüchterne Beziehung welche sich von selbst, natürlich und ungezwungen aus der Entidealisierung ergab, war wertvoller als die unmögliche Verwirklichung irgend eines Ideals.