Liebe gute, kluge (und auch schöne) Cristina, Dein Brief über die Kunst erheischt vorerst umgehende anerkennende Bestätigung, und dann eine Beantwortung die sich nicht über Stunden oder Tage, sondern vielleicht über den Rest meines alten Lebens erstrecken muss. Ich muss lernen die Fülle des Gemüts gegen dringend notwendige Wortsparsamkeit in die Schaale zu legen. Verspreche aber schon im Voraus Dich so gut ich vermag, vorm Übermaß der Worte zu verschonen. Judy Chambliss ist eine 78 Jahre alte, treue sympathische Patientin, die verschiedentlich ihr Interesse an Nathaniels Werdegang zum Ausdruck gebracht hat, eine trotz ihres Alters sehr moderne Frau die es unterlässt den Namen ihres Ehemanns, eines Soziologen Floyd Fowler anzunehmen. Judy und ihre Freundin, eine sich im Ruhestand befindende Bibliothekarin namens Martha Hamilton waren befreundet mit meiner verstorbenen Frau, und bemitleidigen mich in meiner nicht zu bemitleidenden Einsamkeit. Sie versprechen mir im Herbst eine "tea party." Jetzt mache ich einen Abdruck von Deinem Aufsatz über die Kunst, den ich dann überlesen werde - und überdenken - während ich auf die jährliche Inspektion meines Roten Autos warte. Also, bis später, Dein Jochen