am 8. Juli 2017 "Liebe" Cristina, Da ist es ja schon am Anfang fast jeden Briefes, das große Schicksalswort "Liebe". Es drängt sich uns auf, leicht und meist gedankenlos, wird als Einführung an alle möglichen Menschen geschrieben, ungeachtet der Stärke oder der Art des Gefühls das einerunser für diesen einen besonderen Menschen an den es gerichtet ist hegt, der uns unter Umständen keineswegs "lieb", sondern unlieb ist. Deine Unterscheidung zwischen sich verlieben und lieben besagt viel Vorteilhaftes von Dir. Du schriebst im Februar: "Es ist wie bei Menschen. Wir verlieben uns in jemanden. Und wir wissen nicht genau wieso. Und je besser man den Menschen kennenlernt, beginnt man, den Menschen zu verstehen, man beginnt, das Innere des Menschen zu verstehen und auch seine Probleme zu verstehen, und dann liebt man den Menschen. Wenn man nicht versteht, dann wird man nie wirklich tief lieben und dann bleibt man nur verliebt. Aber die Verliebtheit dauert nun mal nicht solange wie die Liebe, weil man sie nicht verstanden hat. Liebe ist wahr. Verliebtheit oft auch, aber sie ist nur der Anfang, die Emotion, die Ahnung (wenn überhaupt) der wahren Liebe." Das hast Du treffend und schön ausgesprochen. Ich möchte hinzufügen, dass Liebe ein Wort ist welches auf das Erleben vieler verschiedener Menschen unter vielen verschiedenen Umständen weist. Man unterscheide zwischen der Liebe des Vaters für seine Tochter, des Bruders für seine Schwester, des Bräutigams für seine Braut, des Gatten für seine Gattin, des Großvaters für seine Enkelin (und vielleicht auch umgekehrt). Ich finde man sollte nicht nur der Beziehung zu dem anderen Menschen mit Ehrfurcht und Verständnis begegnen, sondern auch dem Wort das diese Beziehung beschreibt, wie Du es getan hast. Dein Jochen