nihoni@icloud.com Lieber Herr Nielsen, Vielen Dank für Ihre Geburtstagswünsche. Was mich anbelangt, so halte ich es mit der wunderbaren Bach Kantate "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit." Scheinbar ist diese Zeit noch nicht gekommen, denn während der drei Tage in Minnesota war ich von früh morgens bis spät abends auf den Beinen, und habe, wenn auch nur langsam, gearbeitet. Als wir am 28.6. zurück flogen fühlte ich mich fünf Jahre älter. Hab mich inzwischen völlig erholt. Morgen früh fliegen wir zurück nach Minneapolis um das mühsame Ausräumen der Wohnung meiner todkranken Kusine fortzusetzen. Die mir von meinem Sohne zugewiesene Aufgabe war die Haufen von Dokumenten die überall, auf Tischen und Stühlen, in Schubfächern und Kästen, zertreut auf dem Fußboden, in unglaublichen Mengen den Gang durch die Zimmer versperrten, zu sortieren, - das Allgemeine fortzuwerfen, das Persönliche aufzubewaren - zu welchem Zweck wüsste ich nicht zu sagen, es sei denn aus Ehrfurcht vor dem schicksalsträchtigen Leben das sie beurkunden. Stoff zu mir heute Abend unvoraussehbaren Sonetten, Elegien, Romanen, und vielleicht auch Psychoanalysen. Dabei machen mir diese Ausflüge mit meinem Sohn viel Freude. Es ist das erste Mal seit dreißig Jahren, dass wir, einst unzertrennlich, zusammen reisen. Eine Reise nach Innen, wie Novalis vorschrieb: Nach Innen geht der geheimnisvolle Weg, bei weitem sinnvoller als die geläufigen Erholungsreisen schaulustiger Touristen. Am 5. Juli kommen wir das zweite Mal zurück. Bis dann, Ihnen und Ihrer Frau, herzliche Grüße. Jochen Meyer