Liebe Cristina, Dein Brief vom 27. des Monats hat mir die unbeschreibbare Freude bereitet die ich erlebe, wenn etwas sehr Teures das ich vermeintlich, und noch dazu wegen eigener Fahrlässigkeit, verlor, mir unerwartet zurückerstattet wird. Deine Antwort auf meinen Brief vom 1. Februar hat mich schließlich heute Morgen als Beitrag zu Deinem jüngsten Schreiben erreicht. In der Zwischenzeit hatte ich mir selbst die Schuld für die Unterbindung unserer Korrespondenz zugeschrieben, dem Ungestüm der Häufigkeit meiner Briefe an Dich, - denn in einer Spanne von einundzwanzig Tagen, vom 10. Januar bis zum 1. Februar 2017, hatte ich Dich mit nicht weniger als 13 Briefen belästigt, hatte vier Antworten von Dir erhalten, - und als der fünfte Brief von Dir scheinbar ausblieb, fand ich es unausweichlich zu versuchen meine Fehler durch reuevolles Schweigen zu berichtigen. Einen neuen Anfang, oder ein erneutes Einsetzen unserer Korrespondenz begrüße ich mit einer Begeisterung die ich vorsätzlich als gedämpft bezeichne, um nicht umgehend dem alten Fehler aufs Neue zu verfallen. Je älter ich werde, desto schneller vergeht die Zeit, und die fünf Monate seit Anfang Februar muten mich an kaum länger als fünf Tage. Am 10. April dieses Jahres schrieb ich mein 195. Sonett. Ich finde diese Gedichte von unterschiedlichem Wert. Wenn sie Dich interessieren magst Du sie nachlesen unter der Rubrik "Sonette" an meinem Netzort http://home.earthlink.net/~ernstmeyer Um nicht die Sonetten durch Überfluss zu verwässern, entschloss ich mich zu dem Versuch Elegien zu schreiben, ohne zu wissen wie eine Elegie beschaffen sein möchte. Ich suche Vorbilder in Rilkes Duineser Elegien, in Goethes Römischen und Marienbader Elegien, in Schillers "Spaziergang", und besonders in Hölderlins "Brod und Wein" und Menons Klagen um Diotima. Bin ganz am Anfang mit den eigenen Versuchen. Ich beschäftige mich mit der Fortsetzung des sechsten Bandes meines Vier Freunde Romans. Auch dies mit bisher nur beschränkten Ergebnissen. Schließlich versuche ich meine Rechnerkarteien aufzuräumen, vorerst mit der Zusammenstellung meines Briefwechsels mit meiner Kusine Marion Namenwirth. Wenn sich Deine Neugier bis auf die Geschichte meiner Familie erstreckt, magst Du einiges darüber bei http:\\home.earthlink.net/~ej5meyer/MN_EJM_2009_06_09.pdf nachlesen. Möglich, dass ich zu viel auf einmal zu bewerkstelligen versuche. Von Montag bis Mittwoch letzter Woche waren mein Sohn Klemens und ich in Minneapolis um meine Kusine, die schwer und unheilbar krank ist, zu besuchen und um den Anfang mit dem Aufräumen einer Wohnung zu machen in welche meine Kusine nie wieder fähig sein wird zurückzukehren. Morgen machen wir eine zweite Fahrt nach Minneapolis und kommen am Mittwoch zurück. Ich erwähne diese Umstände um zu erklären, weshalb ich weitere Betrachtungen über unsere Korrespondenz und ins besondere eingehendere Antworten zu Deinen jüngsten Briefen bis nach unserer Rückkehr aufschiebe. Grüße bitte Deine Eltern von mir, und erlaube mir Dir für etwas, das jenseits des Bereichs der Sprache lebt, zu danken. Jochen