Es ist ein Fehler wie Aristoteles die Sprache als Wirklichkeit zu betrachten oder wie Kant als eine Seiendes das auch nur als Abbild der Wirklichkeit sein möchte, oder wie ich vormals die Sprache als fixierten Zeiger zu einer anderweitig unbegreifbaren transzendentalen Wirklichkeit. Heute Abend scheint mir die Sprache als ein flüssiges Sekret, eine flüssige Absonderung des menschlichen Geistes, das zu seinem Entfalten und Wirken unauslässlich ist; eine gesellschaftsbedingte Absonderung des Geistes die von Mensch zu Mensch, von Gesellschaft zu Gesellschaft, von Zeit zu Zeit, von Gelegenheit zu Gelegenheit, von Ort zu Ort verändert und veränderlich ist, verschieden und unterschiedlich. Das uns zum Gegenstand des Erlebens dient, aber dabei täuschend eine Beständigkeit und Zuverlässigkeit verspricht, die ihr nicht zukommt. Diese Erklärung von Sprache as flüssige veränderliche Absonderung des menschlichen Geistes scheint viele Ungereimtheiten aufzuheben, aber dennoch nicht ohne einen (vielleicht sehr hohen) Preis zu zollen. Insofern als diese Erklärung die Sprache als Wirklichkeitszuflucht und Obdach hinfällig macht und uns erbarmungs- und rücksichtslos den Umständen und Zufällen des Geistes- und Körperlebens ausliefert. Zuweilen ist die Wahrheit nur zu sehr hohem Preise zu erstehen. Wer wagte zu sagen, ob sie es wert ist?