Liebe Margret, Dein Brief hat mich, wie stets, gefreut. Hab vielen Dank, auch für Deine nicht unbegründeten Sorgen um mein hochbetagtes Autofahren. Bis jetzt kein Unglück. Ich werde zunehmend vorsichtiger; und das Unglück das kommt, das kommen muss, wird wahrscheinlich anderswo als als auf der Landstraße geschehen. Wenn ich die Briefe der vergangenen Monate überlese, die ich an Deine Adresse abgesandt habe, und mit dem Erleben vergleiche das mich heute beschäftigt, so erscheint mir mein Gemüt wie eine alte verritzte Schallplatte, wo die Nadel immer wieder aus der jüngsten Spur in einen früheren, und doch nicht endgütig vergangenen Lebensabschnitt zurückspringt, so dass ich in Gefahr bin mich mit meinen Ausführungen immer und immer wieder zu wiederholen. Wenn Du den Abglanz dieses Erlebens in meinen letzten Sonetten //home.earthlink.net/~ej4meyer/20151120_Sonnets01.pdf aufsuchst, läufst Du Gefahr möglicherweiser unerwarteten, - und ungeahnten Überlegungen zu begegnen, die Dich ärgern oder gar abstoßen, ein Wagnis das jedem echten Gedankenaustausch anhaftet. Die Antwort auf die in Deinem Brief inbegriffene Frage, wie es mir geht, hängt ab von der Perspektive. Meine Hüften untersagen mir keine lebensnotwendigen Tätigkeiten, wenngleich sie mir das Skilaufen, das Wandern, das längere Spazierengehn, das Klettern von Leitern, verbieten. Auch mein Denken ist mir verdächtig, - aber kaum verdächtiger als zuvor. Bis jetzt hab ich keine Reisepläne für den Sommer. Nicht einmal nach Virginia. Das mag sich ändern wenn erst die Vögel anfangen zu singen und die Maiglöckchen leuten. Inzwischen wendet sich mein Denken und Fühlen nach Innen, zu alten Bildern und Briefen die mir die Vergangenheit vergegenwärtigen, zu neuen Gedanken und Empfindungen die ich im achten Band meiner Romanreihe aufschreibe, ohne Besorgnis dass sie jemals von einem anderen als mir selber zur Kenntnis genommen würden. Dir und Deiner Familie sende ich, wie stets, herzliche Grüße, - und danke Dir besonders für Deine Mühe und Sorge um Nathaniel. Dein Jochen