Liebe Cristina, Heute morgen um fünf Uhr dreißig weckte mich meine CD Gerät mit einem Chor: "Schleicht, spielende Wellen, und murmelt gelinde! Nein, rauschet geschwinde, Dass Ufer und Klippe zum öftern erklingt!" Eingang der Kantate 209 von der ich mich seit Jahren habe wecken lassen, Erinnerung und Vergegenwärtigung der Morgen an denen, wenn ich erwachte, Margaret neben mir und noch nicht im Grabe lag. Um viertel vor Sieben fuhr ich mit Klemens zum Flughafen, wo seine Berufsreise nach Nashville um acht Uhr dreißig abhob. Im leeren Auto zurück begleitete mich - Du weißt es schon - der Treppenwitz, und flüsterte mir zu dass ich Deinen Brief ja schon beantwortet hätte eh ich ihn empfing und nämlich mit einem Sonett das ich ebenso gut "Für Cristina" hätte betiteln können: Eros Eros, Du Wort das jedem Lebewesen die eignen Nöte zu bedeuten scheinst, erinnerst mich wie selber ich gewesen: ermunterst mich zu sagen was Du meinst. Weit mehr als tierische Begattungstriebe wie Dich der Pöbel lediglich erkennt, bist Du die große schöpferische Liebe, zusammen fügst was anfangs war getrennt. Du bist die lichte Sehnsucht nach der Wahrheit. Du bist der Drang zum Schönen und zur Klarheit. Bist Inbegriff des hoffnungsvollen Strebens. Du bist der Durst zum klaren Quell des Lebens. Du bist die Liebe, bist das Licht der Welt. Erleuchte mir mein Grab wenn's Gott gefällt. Es ist keineswegs die Widerlegung, aber dennoch die Antwort auf den Streit zwischen Vernunft und Leidenschaft der Dich beunruhigt wenn Du schreibst: "dass wenn die Form fehlt, wenn das gewissenhafte Verständnis fehlt oder nicht genug präsent ist, wenn die Logik im Kopf die Emotion im Herz nicht ausbalanciert, dann leben wir im Traum und in der Theorie." Als ob Du Dir die Antwort nicht schon selber gegeben hättest! Denn, liebe, gute, schöne Cristina, wo leben wir sonst? Wo ist Leben anders als "im Traum und in der Theorie"? Meine "Dankbarkeit" verbietet es mir Dir auch nur zu widersprechen. Das ist auch nicht nötig, denn das tust Du selbst. Manchmal um das unaussagbare Äußerste auszusprechen, sagen wir genau das Gegenteil. Ein jedes Wort birgt einen tiefren Sinn. Gemessen nicht das Äußerste zu nennen flieht es versteckt zum Gegensatze hin, ironisch dort als Wahrheitslicht zu brennen. (Sonett 67) You ask me also to compose volume 7 (actually it would be No. 8) of my novels in English. That's a problem, because when I write in English, Geist turns into ghost, Wahrheit becomes truth, Freude turns out to be joy, Liebe turns into love, Du shows up dressed as you with eye-shadow, lipstick and nailpolish, mein Ich becomes my self, and I discover that I am someone else who I would rather not be. But if you sign on as my psychotherapist and co-author, maybe we can do a make-over. Wage ich's noch in der Blasenspur solcher Unverschämtheiten mich Dir zuzuordnen als Dein Jochen?