Liebe Cristina, Schon wieder! Aber diesen Erguss, so verspreche ich mir heute Abend, werde ich für mich behalten, jedenfalls bis ich Deine Antwort auf das Bisherige erhalten habe. Und doch vermag ich den Schreibkribbel nicht zu unterdrücken, so wenig wie das Husten oder Räuspern oder die niedrigeren körperlichen Notwendigkeiten. Was ich im Sinne habe drängt bedacht, verlang niedergeschrieben, ausgeschrieben zu werden. Was mich heute Abend beschäftigt, sind die Titel, die Berufsbezeichnungen die wir uns gegenseitig zulegen. In unserer ersten Unterhaltung hast Du mir erklärt, ich weiß nicht mehr obs auf Englisch war: I am a musician oder auf Deutsch: Ich bin Musiker, oder vielleicht: Ich bin Musikerin. Selbstverständlich ist Nathaniel Dirgent. An Euren Berufen ist kein Zweifel; und besonders für Nathaniel ist die öffentliche Anerkennung als Dirigent von großer Wichtigkeit, denn ohne sie hätte er nichts zu dirigieren. Um mich in Eurer Welt zu habilitieren, bezeichnest Du mich als einen Schriftsteller und als einen Poeten. Glaubst Du wirklich, dass ich diese Benennung verdiene? Ist es nicht Betrug sie anzunehmen? Würde man mich nicht bestrafen, wenn ich auf einem amtlichen Fragebogen meinen Beruf als Schriftsteller oder Poet bekundete um zum Beispiel Steuerprivilegien zu ergattern? Ich bin doch garnichts in dieser Welt. Um als Schriftsteller oder als Poet zu gelten müsste ich nicht mindestens den Versuch machen in der hier verständlichen Sprache, auf Englisch zu schreiben? Und Du, Du weißt doch dass ich als nichts gelte. Du bist eine gute Frau und willst mich trösten, aber ändern dass ich als nichts gelte vermagst Du doch nicht, bei aller Anstrengung, bei allem guten Willen. Und ich, tue ich Dir ein Unrecht dass ich Dich viel mehr wegen Deiner menschlichen Eigenschaften schätze, als um die großen künstlerischen Errungenschaften welche ich anerkenne, die mich aber nachdenklich stimmen und vielleicht ein ganz wenig traurig, weil sie Dich in eine Welt versetzen die mir unerreichbar ist? Ich kann mir vorstellen dass Dich Deine künstlerische Unerreichbarkeit befriedigt und schützt, und dass Du von mir und meinesgleichen in Ruh gelassen sein möchtest. Wenn dem so wäre solltest Du mir ein Zeichen geben, dem ich mich fügte.