Friedrich Hölderlin Patmos Dem Landgrafen von Homburg Nah ist Und schwer zu fassen der Gott. Wo aber Gefahr ist, wächst Das Rettende auch. Im Finstern wohnen Die Adler und furchtlos gehn Die Söhne der Alpen über den Abgrund weg Auf leichtgebaueten Brücken. Drum, da gehäuft sind rings Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten Nah wohnen, ermattend auf Getrenntesten Bergen, So gib unschuldig Wasser, O Fittiche gib uns, treuesten Sinns Hinüberzugehn und wiederzukehren. So sprach ich, da entführte Mich schneller, denn ich vermutet Und weit, wohin ich nimmer Zu kommen gedacht, ein Genius mich Vom eigenen Haus'. Es dämmerten Im Zwielicht, da ich ging Der schattige Wald Und die sehnsüchtigen Bäche Der Heimat; nimmer kannt' ich die Länder; Doch bald, in frischem Glanze, Geheimnisvoll Im goldenen Rauche, blühte Schnellaufgewachsen, Mit Schritten der Sonne, Mit tausend Gipfeln duftend, Mir Asia auf, und geblendet sucht' Ich eines, das ich kennete, denn ungewohnt War ich der breiten Gassen, wo herab Vom Tmolus fährt Der goldgeschmückte Paktol Und Taurus stehet und Messogis, Und voll von Blumen der Garten, Ein stilles Feuer; aber im Lichte Blüht hoch der silberne Schnee; Und Zeug unsterblichen Lebens An unzugangbaren Wänden Uralt der Efeu wächst und getragen sind Von lebenden Säulen, Zedern und Lorbeern Die feierlichen, Die göttlichgebauten Paläste. Es rauschen aber um Asias Tore Hinziehend da und dort In ungewisser Meeresebene Der schattenlosen Straßen genug, Doch kennt die Inseln der Schiffer. Und da ich hörte Der nahegelegenen eine Sei Patmos, Verlangte mich sehr, Dort einzukehren und dort Der dunkeln Grotte zu nahn. Denn nicht, wie Cypros, Die quellenreiche, oder Der anderen eine Wohnt herrlich Patmos, Gastfreundlich aber ist Im ärmeren Hause Sie dennoch Und wenn vom Schiffbruch oder klagend Um die Heimat oder Den abgeschiedenen Freund Ihr nahet einer Der Fremden, hört sie es gern, und ihre Kinder Die Stimmen des heißen Hains, Und wo der Sand fällt, und sich spaltet Des Feldes Fläche, die Laute Sie hören ihn und liebend tönt Es wider von den Klagen des Manns. So pflegte Sie einst des gottgeliebten, Des Sehers, der in seliger Jugend war Gegangen mit Dem Sohne des Höchsten, unzertrennlich, denn Es liebte der Gewittertragende die Einfalt Des Jüngers und es sahe der achtsame Mann Das Angesicht des Gottes genau, Da, beim Geheimnisse des Weinstocks, sie Zusammensaßen, zu der Stunde des Gastmahls, Und in der großen Seele, ruhigahnend den Tod Aussprach der Herr und die letzte Liebe, denn nie genug Hatt' er von Güte zu sagen Der Worte, damals, und zu erheitern, da Ers sahe, das Zürnen der Welt. Denn alles ist gut. Drauf starb er. Vieles wäre Zu sagen davon. Und es sahn ihn, wie er siegend blickte Den Freudigsten die Freunde noch zuletzt, ..... ====================== Liebe Cristina, Seiner Schönheit halber, hab ich den ersten Teil der Hölderlinhymne "Patmos" abgedruckt. Hölderlin hat es als er auf einer Wahnsinnsklippe stand, geschrieben, ein Ort vergleichbar mit dem wo ich mich jetzt befinde. Es scheint mir passender, "erbaulicher" ist das geläufige Kirchenwort, Dir über Patmos zu schreiben als Dir meine eigenen Hirngespinste zu entwickeln. Nein, dass Los Angeles Patmos für Dich sein möchte, hab ich nicht gemeint; auch nicht Belmont für mich. Weder in Wien noch in Klosterneuburg noch in Kritzendorf meinte ich Patmos zu finden. Aber wären Los Angeles, Belmont, Kritzendorf nicht möglicherweise "Die Gipfel der Zeit, ... (wo) die Liebsten/ Nah wohnen, ermattend auf Getrenntesten Bergen," wohin es uns obläge, gestärkt von unschuldigem Wasser, auf Fittichen treuesten Sinns hinüberzugehn und wiederzukehren? Es ist nur eine Vermutung, eine Frage von mir. Nun aber lass uns Hölderlin auf seiner Reise, auf seiner Flucht vom Alltag des Lebens begleiten. So sprach ich, da entführte Mich schneller, denn ich vermutet Und weit, wohin ich nimmer Zu kommen gedacht, ein Genius mich Vom eigenen Haus'. Es dämmerten Im Zwielicht, da ich ging Der schattige Wald Und die sehnsüchtigen Bäche Der Heimat; Eine Reise wohl nicht auf Adlers Fittichen doch auf Flügeln des Genius, des Geistes, der Phantasie, der Dichtung erst durch den morgendlichen schattigen Wald, entlang den Neckar-sehnsüchtigen Bächen des Odenwalds und jetzt durch unbekannte Länder, bis ... bald, in frischem Glanze, Geheimnisvoll Im goldenen Rauche, blühte Schnellaufgewachsen, Mit Schritten der Sonne, Mit tausend Gipfeln duftend, Mir Asia auf, ... eine Reise die sich schließlich der steigenden Sonne anschließt. Und nun auf fremden Gefilden, vom hellen Licht ... geblendet sucht' Ich eines, das ich kennete, denn ungewohnt War ich der breiten Gassen, wo herab Vom Tmolus fährt Der goldgeschmückte Paktol Und Taurus stehet und Messogis,... nur vorübereilend wird die Sprache zur Landschaft, dann behauptet sich das dichterische Bild der Natur ... Und voll von Blumen der Garten, Ein stilles Feuer; aber im Lichte Blüht hoch der silberne Schnee; ... hier in Asien wie daheim in den Alpen und im entfertesten Kanadischen Felsengebirge wo ich selber habe ihn blühen gesehn, den silbernen Schnee ... Und Zeug unsterblichen Lebens An unzugangbaren Wänden Uralt der Efeu wächst und getragen sind Von lebenden Säulen, Zedern und Lorbeern Die feierlichen, Die göttlichgebauten Paläste.... gemeint sind die Haine und Wälder des fremden Landes wo der Wanderer sich dennoch nicht zurecht findet. Darum zurück auf die schattenlosen dem Schiffer bekannten schattenlosen Meeresstraßen, Es rauschen aber um Asias Tore Hinziehend da und dort In ungewisser Meeresebene Der schattenlosen Straßen genug, Doch kennt die Inseln der Schiffer. und nach Patmos und seiner dunklen Grotte, dem heimlichen unheimlichen Ziel: Und da ich hörte Der nahegelegenen eine Sei Patmos, Verlangte mich sehr, Dort einzukehren und dort Der dunkeln Grotte zu nahn. Und nun auf der Insel gelandet erweist sich dem Wanderer der Insel Armut: Denn nicht, wie Cypros, Die quellenreiche, oder Der anderen eine Wohnt herrlich Patmos, und ihre Gnädigkeit. Gastfreundlich aber ist Im ärmeren Hause Sie dennoch.... Der Wanderer gibt sich zu erkennen: Und wenn vom Schiffbruch oder klagend Um die Heimat oder Den abgeschiedenen Freund Ihr nahet einer Der Fremden, ... und die Insel erweist ihre Güte. .... hört sie es gern, .... und wo sich die Felder vor Trockenheit spalten indessen die Zeit wie fallender Sand verrint verwandelt sie das Dasein in Musik und ihre Kinder Die Stimmen des heißen Hains, Und wo der Sand fällt, und sich spaltet Des Feldes Fläche, die Laute Sie hören ihn und liebend tönt Es wider von den Klagen des Manns. indem die Stimmen ihrer Kinder sich von den Klagen des Manns wie von einem Obligato begleiten lassen. Mit diesen Versen hat Hölderlin die Bühne gedeckt auf welcher er nun seine Religionsgeschichte erzählt. So pflegte Sie einst des gottgeliebten, Des Sehers, der in seliger Jugend war Gegangen mit Dem Sohne des Höchsten, unzertrennlich, denn Es liebte der Gewittertragende die Einfalt Des Jüngers und es sahe der achtsame Mann Das Angesicht des Gottes genau, Da, beim Geheimnisse des Weinstocks, sie Zusammensaßen, zu der Stunde des Gastmahls, Und in der großen Seele, ruhigahnend den Tod Aussprach der Herr und die letzte Liebe, denn nie genug Hatt' er von Güte zu sagen Der Worte, damals, und zu erheitern, da Ers sahe, das Zürnen der Welt. Denn alles ist gut. Drauf starb er. Vieles wäre Zu sagen davon. Und es sahn ihn, wie er siegend blickte Den Freudigsten die Freunde noch zuletzt, ..... Liebe Cristina, Wolltest Du das alles wirklich wissen? und noch dazu von Deinem Jochen?