Lieber Herr Nielsen, Ihnen, Ihrem Sohn und Ihrer Schwiegertochter, herzlichen Dank für den so stilvollen Empfang gestern Abend, in meinem eintönigen Alltag eine bunte Erinnerung die selbst bei der Gedächtnisschwäche des Alters nicht bald erloschen sein wird. Auch vielen Dank für Buselmeiers Literarische Führungen durch Heidelberg. Schon an den ersten 50 Seiten die ich gelesen habe, entzünden sich vielfältige Überlegungen. Mich beeindruckt die kompromisslose Bindung von einmaligem längst vergangenem Geschehen an den Ort, an das Haus das nun von der Einbildungskraft in ein bleibendes Denkmal verwandelt wird. Es scheinen sich mir verschiedenste möglichen Themen zu bieten für zukünftige Unterhaltungen zwischen uns. Im Zusammenhang mit der amerikanischen Präsidentenwahl im vergangenen Monat frage ich mich um die Beziehung von Ethik und Politik, über die politischen Verpflichtungen des "guten" Bürgers; frage mich mit welchen Maßstab man politische Zwecke as gut oder schlecht bezeichnen sollte, um von der persönlichen Handlung ganz abzusehen. Ob es neben der ars vivendi auch eine ars moriendi geben möchte, und wenn, ob es erlaubt wäre von ihr zu sprechen. An Themen sollte es nicht mangeln, wenn es Ihnen gefällig wäre, während Ihres Aufenthalts noch weitere Zeit mit Unterhaltungen zu verbringen. Grüße an Sie beide, an Ihre Kinder und Enkel. Jochen Meyer