Lieber Herr Nielsen, Die neue Schnellverbindung mit dem Internet hier in Konnarock wurde schließlich am vergangenen Mittwoch hergestellt. Nunmehr keine weiteren zwanzig Kilometer weiten Fahrten zum Anschluss auf McDonalds Parkplatz. Wenn doch die Verbindung zu den Musen ebenso unbeschwerlich wäre! Ist sie aber nicht. Seit meiner Ankunft vor zwei Wochen, hab ich versucht an vormals begonnene Arbeiten anzuknüpfen, doch mit nur mäßigem Erfolg. Möglicherweise war ich abgelenkt von den verflochtenen Erinnerungen die in diesem heimatlichen Hause verankert sind, lebendige Vorstellungen von den Verstorbenen, von meinen Eltern, von meiner Schwester, und am lebhaftesten von meiner Frau, Gedenken ohne Trauer, fast ohne Traurigkeit, getröstet von dem Bewusstsein selber zu ihnen allen auf dem Wege zu sein. Vielleicht waren die fünfundsiebzig Sonette des vergangenen Winters eine einmalige Leistung. Jedenfalls ist bis jetzt mir auch nur der Ansatz zu einer Wiederholung nicht gelungen. Bin jedoch entschlossen den Versuch nicht einzustellen. Habe auch am fünften Buch meiner Romanserie Vier Freunde gearbeitet. Finde den Text stellenweise schlecht, teilweise aber auch einleuchtend und sinnvoll. In jedem Fall schützt S.D.G. vor Verirrungen in beide Richtungen, in die Höhlen der Entmutigung nicht weniger als auf die Zinnen des Hochmuts. Morgen erwarte ich Abschriften der Gerichtseingabe der Nantucket Behörden in meinem Klempnerprozess. Mein Sohn benachrichtigte mich gestern Abend telephonisch, die Kopie für Belmont sei eingetroffen. Eine zeite Kopie die man versprochen hat nach Konnarock zu senden, wird demnächst im Postkasten erscheinen, und Gelegenheit zu einer weiteren Eingabe meinerseits geben. Sie heißt "reply brief". Die Poesie wird warten müssen. Inzwischen aber soll dies Schreiben mit elektronischer Geschwindigkeit ab nach Heidelberg, einbeschlossen meine Grüße an Sie und Ihre Frau. Jochen Meyer