am 17. September 1994 .PP Mir ist auf und eingefallen, beim Lesen von Meister Eckehart, erstens, dasz der Uebersetzer, das was er uebersetzte selbst nicht verstand. Er uebersetzte nur Worte, keine Begriffe, Bilder oder Gedanken. .PP Wichtiger noch, es ist eine zu enge unberechtigte Voraussetzung, dasz Gesprochenes oder Geschriebenes sinnlos waere, insofern es unverstanden bleibt. .PP Der Sprechende und der Schreibende, ein jeder von ihnen hat etwas, das er zum Ausdruck bringen moechte, aber es besteht kein Grund, weshalb der Ausdruck in einer Sprache geschehen mueszte, welche dem Hoerer oder Leser verstaendlich ist. Vielmehr entwickelt im Laufe der Zeit ein jeder seine eigene Sprache deren besondere Bedeutung der Leser erst lernen musz. .PP Wie des Kindes Gemuet sich an der Sprache der Eltern bildet (entwickelt), wie ein Weinstock am Pfahl, so entfaltet sich der Geist des Lesenden an den Gedanken und Bildern darueber er liest. Wenn man voraussetzt, dasz die Schrift Sinn hat, dann stellt dieser Sinn eine Bruecke zwischen dem Sprecher und dem Hoerer dar. Wenn aber schon eine Bruecke, d.h. eine Verbindung zwischen dem Sprecher und dem Leser besteht, wie etwa bei Mutter und Kind, dann wird die anderweitig sinnlose Sprache zum Inbegriff und Ausdruck dieser Beziehung. .PP Die Beziehung zwischen den Menschen also ist es, aus welcher die Sprache ihren Sinn schoepft, welche die Begriffe gestaltet, und aus welcher sich letzten Endes die Bedeutung eines jeden Begriffes erklaeren laeszt. .PP Die Sprache ist der Weg, welcher vom Inwendigen zum Auswendigen fuehrt, und vom Auswendigen zum Inwendigen. Da ich richtigerweise oder sonst (rightly or otherwise) ueberzeugt bin, dasz der Mensch in der Innerlichkeit besteht, oder jedenfalls, dasz er mein Interesse erweckt, nur insofern als er in der Innerlichkeit besteht, erscheint mir die Sprache als ueberragend bedeutendes Mittel. .PP Es ist der Weg der gedanklichen Analyse, dasz er zu neuen, unerwarteten Funden fuehrt. So, z.B., ob nicht die Aeusserlichkeit des menschlichen Erlebens von vergleichbarer Bedeutung, und auf mein Interesse und Studium einen aehnlichen Anspruch erhebt. .PP Die aeuszere Erlebnisse des Menschen aber sind Gegenstaende der positiven Wissenschaften, und sind als solche reichlich bearbeitet worden. Was ich zu ihnen hinzuzufuegen haette, waere kaum mehr als eine Beschraenkung, der Hinweis, dasz der Mensch nicht von Brot allein lebt; eine negative Wissenschaft also, welche wiederum auf die Innerlichkeit hinweist. .PP Ich bezeichne das Aeussere, im psychologischen Sinn, als all jene Erscheinungen welche von verschiedenen Menschen wahrgenommen werden koennen und bei ihnen eine vergleichbare Reaktion (Wirkung) ausloesen. (welche bei den verschiedenen Menschen von denen sie wahrgenommen werden, eine aehnliche Wirkung hervorrufen.) Als das Innere, hingegen, bezeichne ich all jene Erlebnisse, welche, ob von aeuszeren Anlaessen bewirkt (preciupitated) oder nicht, dem Einzelnen so persoenlich und geheim sind, dasz er faehig ist, sie nur an sich selber, nie aber an anderen zu erkennen.