am 29. August 1994 .PP Das Befuerfnis zu urteilen ist dem Menschen eingefleicht, und ist, wie mir scheint, nur schwer zu unterdruecken. .PP Der Befehl des Neuen Testaments dem Urteil zu entsagen ist in seiner Unmoeglichkeit vergleichbar mit dem Befehl der Sinnlichkeit zu entsagen. .PP Versuchsweise vorgeschlagen, dasz das Urteilen den Geist befriedigt, vergleichbar mit der Befriedigung welche die Sinnlichkeit den Sinnen gewahrt. .PP Es ziemt sich die Urteilslust zu zuegeln, wie es sich ziemt, die Sinnenlust zu zuegeln. Die Sinnenlust ist das Beduerfnis mittels der Koerperlichkeit mit der Umwelt zu verschmelzen. Die Urteilslust ist das Beduerfnis mittels der Geistigkeit mit der Umwelt zu verschmelzen. .PP Beide Verbote zielen auf Beschraenkung, auf Abtoetung, auf die Erniedrigung des Ich, denn die unterdrueckten Beduerfnisse sind Ausdruecke der Wesensart, der Natur des Menschen. .PP Und stehen in Beziehung mit dem Lernen des Sterbens, mit dem von Sokrates gepredigten Entsagens in Beziehung, insofern als die koerperliche und geistige Enthaltsamkeit eine beabsichtigte Beschraenkung des Lebens sein wollen. .PP Ich komme auf diese Ueberlegungen indem ich ueber Margrit gruebele. Ich moechte mir in Bezug auf sie Klarheit schaffen, und weisz doch zugleich, wie zerstoererisch diese Klarheit auf die so duennen (tenuous) Beziehungen zwischen uns wirken wuerden.