am 10. Juli 1994 .PP Belehrt oder erbaut zu werden: das scheinen mir die beiden, sich durchaus nicht gegenseitig ausschlieszenden Zwecke des Lesens. Bekanntnlich gibt es viel absichtlich erbauende Literatur, doch verfehlt diese, in meinem Falle jedenfalls, gaenzlich ihren Zweck. Denn so notwendig und wirksam die Erbauung auch sein mag, ist sie dennoch ein Vorgang, der nicht vorgeschrieben werden kann, der sich nur inwendig und subjektiv zu vollziehen vermag. Haben doch schon die Griechen erkannt, dasz in der Tragoedie auch die Darstellung furchtsamen und furchterregenden Geschehens das Gemuet des Einzelnen zu erbauen vermag. Demgleich manches Haeszliche und Widerwaertige. .PP Es ist ein Geheimnis der Kunst wieso, unter welchen Umstaenden, und in welchem Ausmasz ein Spiegelbild des Lebens sich als widerlich oder gleichgueltig oder erbaulich bewaehrt. Und ganz bestimmt gibt es viele Bilder welche bald diese, bald jene Wirkung haben, der Gelegenheit, den Umstaenden, und dem Geist auf den sie wirken entsprechend. Daher ist das Urteil ueber denn Sinn und Wert der Kunst ein so schwieriges.