am 9. Juli 1994 .PP Gestern, Freitag, weil ich keine Verabmachungen (appointments) mit Patienten hatte, und weil es meherere Tage sehr heisz und feucht gewesen war, fuhren Margaret und ich nach Squam Lake. Es war das erste Mal in etlichen Jahren, mehr als acht muessen es sein, denn acht Jahre sind Klemens und Laura nun schon verheiratet, und seither hat sich auf unserem Canoe unter dem Garagendach tiefer Staub gehaeuft. Die Hoffnung, dasz Margaret und ich ihn je wieder benutzen wuerden, hatte ich fast aufgegeben, aber dann entschied sich Margaret doch fuer einen Ausflug mit dem Canoe, denn sie wollte gern schwimmen; und so machten wir uns gegen zehn Uhr morgens auf den Weg. Kurz hinter Lowell gerieten wir, etwas zwei Meilen einer Baustelle bevor, in einen richtig europaeischen Autobahnstau, fuhren dann, auf der Dir so unliebsamen Autobahn bis Ashland, die Landstrasse 113 noerdlich um Squam Lake herum, nach Center Sandwich, ein ansichtpostkartenw}rdiges New England Dorf. Von dort nahmen wir Squam Lake Road am Ostufer des groszen Sees entlang, und gelangten, etwa drei Stunden nach unserer Ausfahrt von Belmont, an den uns l{ngst bekannten Tennisplatz, wo wir wie }blich, den Wagen abstellten, und unsren Canoe, die steile Boeschung hinab, ins Wasser setzten. Seit unserem letzten Besuch, ist der Straszenrand, etwa anderthalb Meter oberhalb des Sees, und steil gegen diesen abfallend, dicht mit Poison-Ivy ueberwachsen. Sorgfaeltig suchten wir unseren Weg durch das gefaehrliche Gruen. Bis jetzt scheinen wir unbeschaedigt davon gekommen zu sein; mehere Tage aber werden vergehen muessen, eh wir dessen gewisz sein koennen. Wir ruderten ("Wir padellten" mag ich nicht schreiben) ueber den jetzt fast wellenlosen See, den bewaldeten Ufern entlangt, mit aufwendigen Ferienhaeusern unter Tannen und Buchen, am noerdlichen Horizont die Gratlinie der Sandwich Bergkette, der Himmel blau, abwechselnd mit hohen Haufenwolken bestueckt. Wir ueberquerten dann das Wasser zum Yard Island, wo wir schon so oft zum Schwimmen gelandet waren. Dies mal waren wir nicht die einzigen. Ein lauter Trupp junger Menschen, per Motorboot angekommen, schwamm im Wasser umher und johlte vom felsigen Ufer einer der kleineren Nebeninseln. Yard Island selbst war, vermutlich von einem der starken Stuerme des vergangenen Winters, stark angegriffen. Der angenehme Sandstreifen, welcher das oestlichen Ende mit einer kleinen straeucherbewachsenen Halbinsel verband, war fortgeschwemmt, und einer seichten, mit Schilf durchwachsenen Lagune gewichen. Hier hindurch trieben wir unser kleines schaukelndes Boot, dessen metallner Rumpf, vom Rohr gestrichen unerwartet eine eigenartiger Musik von sich gab. Nicht weit entfernt, an einer Nebeninsel, fern vom Geschrei der uns zuvorgekommenen Besucher, legten wir an, verbrachten zwei volle Stunden mit Plaetschern und Schwimmen im lauen Wasser; fuetterten eine Entin und ihre drei Kuecken mit Schokoladenplaetzchen; und ergreifender noch, beobachteten einen Taucherin mit ihren vier juengst entschluepften Kuechlein auf ihren Ruecken schwimmen, welche dann, als die Mutter untertauchte, wie vier kleine Korken auf den niedrigen Wellen schaukelten, bis die Mutter aufs neue erschien, mit den vieren auf ihrem Ruecken die Vier auf ihren Ruecken klettern liesz, und davon schwamm. Gegen fuenf Uhr ruderten wir wieder zu unserem Wagen zurueck, etwas ueber eine volle Stunde dauerte die Fahrt, hievten, unter vorsichtigem Vermeiden der giftigen Ranken, den Canoe to steile Boeschung hinan, und festigteten das Aluminiumgehaeuse auf dem Wagendach. Kaum hatten wir under Boot festgeschnuert, als eine aeltere Frau von einem groszen schwarzen Hunde begleitet auf uns zuschritt, nach unserem Ausflug fragte, und uns Erlaubnis erteilte, bei weiteren Besuchen, wenn sie nicht zu oft stattfaenden, den ihr gehoerigen kleinen Dock zum ein und ausbooten zu benutzen. Wir bedankten uns recht artig, und fuhren ab, in die Abenddaemmerung und nach Hause. .PP Klemens, die Kinder und Laura sind heute zum Zelten nach Maine, nach Casco Bay gefahren; sie werden voraussichtlich Montag morgen zurueckkehren. Indessen habe ich den ganzen Tag mit Lesen vertan, ein Kapitel in Jaegers Theologie der fruehen griechichen Denker sowie auch Literaturgeschichten, welche ich in der solmitzschen Sammlung aus der Garage fand. Was ich jedoch suchte, den Simplizissimus von Grimmelshausen und andere Barockdichtung, habe ich nicht gefunden. .PP Die Frage, vor welche die Umstaende mich immer aufs neue stellen, ist wieviel von der mir noch bleibenden Zeit und Kraft ich auf meine schriftstellerischen Bemuehungen, und wieviel aufs Geldverdienen, auf neue Erwerbstaetigkeit anwenden sollte. Ich weisz es wirklich nicht. Einerseits will ich nicht allzufrueh den Ladenschlusz verkuenden, andererseits will ich nach Moeglichkeit vermeiden etwas zu beginnen, das ich nicht zu Ende zu fuehren vermag, oder unguenstiger noch, das mich mit vielfaeltigen Aufgaben beschwert die ich bei allem Selbstvertrauen nicht zu bewaeltigen vermag. Ich weisz es wirklich nicht.