am 7. Juli 1994 .PP Das Treffen in Teltge beschaeftigt mich immer noch. Ich finde es ein anregendes Buch, welches wie eine Sektion so manches sonst verhuellte anschaulich vielleicht auch verstaendlich zu machen geeignet ist. Das Wesen der Historie als Erzaehlung, die nicht nur oder in nur geringem Masze, wenn ueberhaupt, den Geist der Zeit offenbart, wie des Erzaehlers. Es erinnert, mahnt, daran, dasz Geschichte immer Erzaehlung ist. .PP Wenn es die Eigenart des Geschriebenen ist, auf etwas jenseits seiner zu weisen, auf etwas wirkliches das nur angedeutet, nicht aber begriffen oder erschoepft werden kann, so ist es bei diesem Buche nicht, und dies ist sehr wichtig zu erkennen, so ist die naechste Wirklichkeit auf welches dies Buch hinweist nicht die Wirklichkeit der verschollenen Autoren des siebzehnten Jahrhunderts, sondern das Erleben dessen der dies alles zu Papier bringt; und die von diesem Buechlein unabhaengige Erfassung des Barock waere ein Maszstab an welchem er sich messen laeszt. .PP Dem herausfordernde Widerspruch, "Gestern wird sein, was morgen gewesen ist," steht der Schluszsatz: "weisz ich nicht, weisz ich nicht; wie eine schlieszende Klammer gegenueber; und mich duenkt, dasz dieses "weisz ich nicht", diese Leugnung des Wissens weit mehr als die Frage, wer den Brueckenhof hat in Flammen aufgehen lassen betrifft. Musz man sie als Teilnahmslosigkeit auf Seiten des Autors am Weltgeschehen deuten? Oder als seine Aufrichtigkeit? Heinrich Schuetz, der so anders denkt und fuehlt als alle anderen Beteiligten in diesem Buche, der haette es gewuszt. Schuetz unterscheidet sich von den anderen Kuenstlern die hier auftreten, insofern als er Ordnung in eine unordentliche Welt zu bringen scheint, die anderen aber ein Teil dieser Unordnung sind. .PP Wem steht der Verfasser am naechsten? Wem unter den versammelten Poeten ist er vergleichbar, mit welchem waere er zu verwechseln? Ist die Frage ueberhaupt erlaubt? Nicht, sollte ich meinen, mit Schuetz, nicht mit Gerhardt oder Scheffler, Weckherlin ist er wohl auch nicht.