Liebe Gertraud, .PP .fi .na Hab Dank f}r Deine Postkarte aus Majorca. Da wir uns nach einer so gewaltigen Zeitspanne entdeckt, getroffen und befreundet haben, scheint es mir durchaus sinnvoll unsere Beziehung zu pflegen und zu bewahren, und ich stimme mit Dir }berein, da~ dazu vorerst jedenfalls ein Postkartenaustausch gen}gt, wenngleich meine eigene Redseligkeit mich unvermeidlich zu l{ngeren Ausf}hrungen verleitet, wobei ich dann nie sicher bin, inwiefern ich Bernd und Dich damit bel{stige. Aber der Vorteil des Geschriebenen, wie ich schon einstmals erw{hnte, ist da~ bei unverminderter Genugtuung des Schreibenden an den eigenen Worten, Leserin und Leser sie leicht }berspringen k|nnen. .PP Diese bedrohliche Einf}hrung ungeachtet, gibt es von uns kaum Aufregendes zu berichten. Samt Kindern und Enkelkindern sind wir gesund; das langsame Eingehen meiner Praxis schreitet fort. Auf unser Haus in Virginia haben wir, weil es durchregnete, ein neues Dach decken m}ssen, und weil sich bei dem starken Fr}hlingsregen das Wasser im Keller ansammelte, habe ich die Abflu~ro}hren von den Dachrinnen um je drei horizontale Meter verl{ngert, damit nicht das Wasser vom Dach unmittelbar an die Grundmauern rieselt. Ob diese Ma~nahmen gen}gen, wird sich bei den n}chsten schweren Regeng}ssen ergeben. .PP Mit meinem neuen Roman bin ich noch ganz am Anfang, wahrscheinlich, weil ich mich mit der gr|~e der Anlage }bernommen habe. Etwas wird aber gewi~ daraus werden, denn ich lasse nicht nach. F}r die eventuelle Ver|ffentlichung des fr]heren Romanes, von welchem ich Euch ein Exemplar in Kierspe lie~, habe ich auf wundersame Weise einen Agenten gefunden. Letzte Woche n{mlich hatten wir auf kurze Anmeldung und durch die Vermittlung meiner Schwester, Besuch von einem einstigen Spielkameraden aus Braunschweig, namens Helmut Frielinghaus. Er ist der Sohn des Pfarrers der kleinen Bartholom{uskirche in der Sch}tzenstra~e und wohnte damals auf dem Wendentorwall, kaum f}nfhundert Meter von uns entfernt. Wir spielten viel zusammen, verloren aber nach unserer Auswanderung allen Kontakt, bis letzte Woche. Helmut wohnt in Hamburg. Jahrelang wirkte er im Rowolt Verlag. Jetzt ist er selbstst{ndiger Vertreter verschiedener Autoren, einbeschlossen G}nter Grass. Betr{chtliche Teile der beiden N{chte die er bei uns verbrachte hat er mit dem Lesen des Manuskripts verbracht, und meint, da~ es seiner M}he lohnte, dies weiter zu bearbeiten. Er sagte mir, da~ er bei n{chster Gelegenheit mit Euch in Verbindung zu treten gedenkt, um Euch um Euere Kopie des Manuskripts zu bitten, falls Ihr diese noch habt. Die Amerikaner nennen das: "Indian giving"; die Deutschen sagen: "Wer gibt und nimmt kriegt schwarze Kinder." in Margarets und meinem Alter, sollte ich meinen, eine nichtige Drohung. .PP Dabei betrachte ich es, trotz Helmuts Bem}hungen, als unwahrscheinlich, einen Verleger f}r das Buch zu finden; und wei~ nicht einmal ob ich eine eventuelle Ver|ffentlichung begr}~en w}rde. Einwilligen m}~te ich aus einer Art Schuldbewu~tsein zu einer kleinen Gegengabe f}r den unaussprechlichen Reichtum, welchen mir die deutsche Literatur beschert hat. Im ]brigen soll es mir gen}gen nur f}r mich selbst und f}r meine unmittelbare Familie zu schreiben, und auch Euch nicht mit meiner Kompositionswut zu bel{stigen, au~er wo sie mir im Briefwechsel versehentlich durchbrennt. .PP Margaret und ich denken viel und sprechen oft von Dir und Bernd und Reinhild, und w}nschen sehr, da~ es Euch allen wohl ergehen m|ge.