Ich weiss nicht woher mir das Bild, die Vorstellung, des Labyrinths aufgetaucht ist, aber seit dem Erwachen heute morgen, beschaeftigt sie mich. "Es wiederholt die Klage, des Lebens labyrinthisch irren Lauf", heisst es. (Faust, Zueignung) Anders meine Vorstellung, welche sich ausmalt, dass der Mensch im Labyrinth, hamletartig gelaehmt, erstarrt. Vorstellbar aber auch, dass er es durchrast, von Angst gehetzt, nirgends einen Ausweg findend. Die gerechte Deutung des goetheschen Gedichtes aber ergibt sich, wie mir scheint, aus der Erklaerung, dass jener Strophe, "Es wiederholt die Klage, des Lebens labyrinthisch irren Lauf", die Trennung des Ausdrucks "Lebenslauf" zugrunde liegt. "Lebenslauf", wie zum Beispiel "Wasserlauf", ist eher eine statische Vorstellung als eine dynamische, welche zwar auf die Entwicklung des Lebens hindeutet, diese jedoch nicht mehr veranschaulicht als der blaue Faden auf der Landkarte das Dahinrauschen des Stromes. Mit der Darstellung des Lebenslaufs als labyrinthisch wird das Schicksal des im Labyrinth Verirrten verwaessert. Goethe neigte ja ueberhaupt zur idealisierenden Verbluemung des Daseins. Das Bild des labyrinthisch irren Lebenslaufs reicht nicht an die ausserordentliche Krisis, die Entscheidungsnot ohnegleichen, in welcher der im Labyrinth befangene Mensch sich befindet, heran. Bedeutet doch sonst Krisis ein Moment, einen Augenblick, einen rasch voruebergehenden Hoehe- oder Tiefpunkt der Zeit, an welchem sich das Leben wendet. Im Labyrinth aber wird die Krisis zur Ewigkeit. Dort wendet sich nichts, oder nur taeuschend, und der in ihm Gefangene wird zu einer fruchtlosen Entscheidung nach der anderen gezwungen, Entscheidungen welche, einzeln und im ganzen, wirkungslose bleiben, es sei denn, dass sie ihn erschoepfend, den Menschen dem Ende seiner seelischen und koerperlichen Kraefte naeherbringen. Die parametrische Darstellung des Labyrinths: jegliche Lage in welcher der Mensch fortwaehrend zu Entscheidungen gedrungen wird, deren Ergebnisse sich regelmaessig als wirkungslos, erfolglos, hinfaellig erweisen, jede Lage also in welcher es dem Menschen unmoeglich ist, sich durch sein Denken zu erretten. Die Vorstellung vom Labyrinth erinnerte an Ariadne und ihren Faden: niemals ist wunderbareres ueber die Klugheit der Frau gesonnen. Vergleicht man die Grobheit der Rettung welche Fidelio-Leonore ihrem Gatten bewirkte mit der geistigen Geschicklichkeit Adriadnens, dann erhaelt der Begriff des Barbarischen eine zusaetzliche Dimension. Auch sollte man die eigenartige Schwierigkeit, welche die Entscheidungsanalyse (Decision Analysis) im Labyrinth belastet, nicht unerwaehnt lassen. Dagegen ist die Entscheidungsanalyse bei eindeutigen Wegweisern ein Kinderspiel. Von Ariadne kam ich auf Hofmannsthal, der nicht ihren Triumph auf Kreta, sondern ihr Leiden auf Naxos beschrieben hat. Sein Lustspiel, Ariadne auf Naxos, habe ich heute zum ersten Mal gelesen, wenn ich recht besinne. Es ist wie alle seine Schriften sehr fein gefuehlt, und wunderbar melodisch geschrieben. Doch ist es mir etwas zu barock; ich entbehre die edle Einfalt und stille Groesse mit welcher meine Voreingenommenheit behauptet, dass jedes Kunstwerk besiegelt werden muesse. Aber das ist vielleicht eine nicht erwaehnenswuerdige Geschmackssache. ========================= Nun habe ich doch den ganzen morgen hier gesessen und geschrieben, auf derselben Porch wo ich sich so viele Unterhaltungen, Auseinandersetzungen wohl mehr als Einverstaendnisse mit meinen Eltern abgespielt haben; und zuletzt, bei Muttis geistiger Zerruettung, das wortlose Beieinandersein, so reichlich mit Photographien und Videobaendern beurkundet. Konnarock ist schliesslich der Ort, wo ich den groessten Schwierigkeiten meines Lebens begegnet bin. Inwieweit ich sie ueberwunden habe, oder von ihnen ueberwaeltigt worden bin, mag dahingestellt bleiben. Ich denke so oft an meines Vaters Behauptung, dass er hier hin "gehoerte". Ich glaube er hat es nur gesagt, weil er nirgends anders hin konnte. Ich habe woanders, und gehoere doch hierhin, weil sich hier entschieden hat, und nicht in der verdorbenen Atmosphaere der Universitaetsstadt, was nicht aus mir geworden ist, und was aus mir wurde. =========================================== Den ganzen Tag habe ich tatsaechlich nichts getan als an dem Rechner, - denn so laesst sich doch "computer" uebersetzten, - gesessen. Findest Du es deutschtuemelnde Ziererei auch hier einen einheimischen Ausdruck anzuwenden? Das fluessige U in "computer" passt doch garnicht in die Melodie des Deutschen, und es tut meinen Ohren jedes mal weh, wenn ich den fremdklingenden Ausdruck gebrauche. Den Morgen habe ich mit schreiben verbracht, nichts uebermaessig besonderes, aber besser als gestern, und das ist doch auch etwas. Den Nachmittag, mit programmieren. Ich plage mich noch immer, und bis jetzt erfolglos, mit dem Versuch ab, fuer den Hercules Bildschirm ein Steuerungsprogramm zu schreiben, habe auch Vorbilder gefunden, aber ueberaus undurchsichtig. Tatsache scheint mir, dass die Programme so verwickelt werden, dass sie, wenn ueberhaupt, nur mittels aeusserst weitlaeufiger Beschreibungen zu erklaeren waeren, Beschreibungen, zu welchen kein Mensch die Geduld oder die Zeit hat. Und deshalb bleibt die Programmierkunst eine Geheimsprache, welche auch von sehr wenigen der vermutlich Eingeweihten beherrscht wird; von mir keineswegs. Es mag unverantwortliche Stumpfheit von mir sein, dass mich die bisherige Erfolglosigkeit meiner Bemuehungen nicht einschuechtert. Morgen kann es ja weiter gehen. Inzwischen lerne ich sehr viel ueber den Aufbau der Programme, wenngleich ich nicht weiss, wozu dies mir nuetzlich sein sollte. The reference to the casting of lots at the foot of the cross is verse 13 of the 22. Psalm. This poem provides the script for the crucifixion, and should be required reading for all believing Christians. I find it very impressive. I have long been sensitive to the implications of gambling, and offended that the state should exploit the folly of its citizens as a source of revenue. In its broadest perspective gambling is a very destructive way of dealing with uncertainty. I have long been convinced that the ability to manage uncertainty is the most important, perhaps the only source of economic success. I find it paradoxical, that on the one hand, the public is so eager to gamble away their hard earned wages; on the other hand they are afraid of uncertainty, and spend that portion of their wealth which they have not gambled away on purchasing insurance against vicissitudes which are an integral part of existence. Speaking of gambling, I think we should consider purchasing some common stock in National Nedical Enterprises (NME) on the NYSE. As you may have read, they are being investigated for fraud by HCFA; it is certainly possible that the Federal government will make an example of them and drive them into bankruptcy, but more likely, the company will get away with an affordable fine, and some of the officers will be crucified for the edification of the righteous public. Meanwhile the silly fund managers have to prove that they are discerning and responsible by dumping the stock. I don't want to urge too strongly, but I have no objection if you wanted to put in an order for up to 1000 shares of common at $8 a share or less. You can telephone me in the morning if you like, or just put in the order, or let the dust settle for a few days, and watch the stock. HISTORICAL DOW JONES AVERAGES