Liebe Gertraud, .PP .fi .na Dein j}ngster Anruf erinnerte mich an den ersten: welch eine freudige ]berraschung! Ich will bei der Wahrheit bleiben und bekennen, da~ ich mich mit der Vermutung, meine Briefe h{tten Euch ge{rgert, oder zum mindesten gelangweilt, abgefunden hatte. Nun aber wei~ ich von Dir, da~ Ihr besch{ftigt ward, mit Schulklassen auf Reisen, und da~ diese Berufsferien, "busman's holidays", hei~en sie auf englisch, Euch bekommen sind. .PP Und jetzt lockt Euch Amerika. Ihr kennt es ja, und seid keiner Warnungen bed}rftig. Wir freuen uns, auf Euer Kommen, wie auf ein Fest. Selbstverst{ndlich holen wir Euch am 28.12. vom Flughafen ab. Klemens einstiges gro~es Schlafzimmer. mit Bad, steht Euch zur Verf}gung, so lange Ihr bleiben m|chtet. .PP Der Mut zu dieser Winterreise, in der dunklen kalten Jahreszeit mit dem geringen Licht und den langen N{chten, verdient ausgesprochene Anerkennung. Erlaubt mir schon im voraus die Entschuldigung, da~ wir, jedenfalls in Boston, Euch nichts mit der landschaftlichen Sch|nheit des Sauerlandes Vergleichbares anzubieten haben; und obgleich Boston, mit San Francisco, wo ich nie gewesen bin, das anmutigste amerikanischer Stadtbilder bietet, so brauche ich nicht zu erw{hnen, da~ es weder Regensburg noch Goslar ist. .PP In New Hampshire, Vermont, und Maine liegt der Schnee meist so tief, da~ man die gekehrten Verkehrstrassen nur auf Schiebrettern verlassen kann. Hingegen sind in Konnarock auch um diese Jahreszeit die Wege meist schneefrei, und laden zu wunderbaren Spazierg{ngen und Wanderungen ein. Bei uns in der Stadt sind die Strassen manchmal m{rchenhaft verschneit, der wilde Autoverkehr lahmgelegt, aber eigentlich nur selten, des |fteren dann mit tauenden oder neueingefrorenen verschmutzten Schneeresten besprengt, Um diese \de zu verdr{ngen hat man, so viel ich wei~, Weihnachten erfunden; mit dem erzwungenen Jubel, den ich so traurig finde. .PP Du wirst Dich besinnen, wie Du uns vor einem halben Jahr, als unsere Reise nach Deutschland bevorstand, doch l{nger als nur ein oder zwei Tage in Kierspe zu verweilen; und ich frage mich, ob es jetzt vielleicht an mir ist, zu versuchen Euch zu einem l{ngeren Aufenthalt bei uns zu }berreden, vielleicht sogar zu einer Umleitung Euerer Reise }ber Virginia. Aber ich wei~ es ja, da~ die Gef}hle ihre eigenen Gesetzen folgen m}ssen. Nur erw{hnt haben wollte ich, wie mittelmeerartig milde es manchmal im Winter in Konnarock ist, so da~ wir verschiedentlich um Weihnachten oder Neujahr Wanderungen und Spazierg{nge ohne M{ntel haben machen k|nnen. Zu anderen Zeiten aber gibt es b|se Schneest}rme, und man wird ein oder zwei Tage eingeschneit, und vermag nicht einmal ins Dorf, geschweige denn zum Flughafen zu kommen. .PP Wir freuen uns also auf Eueren Besuch, und treffen Euch am 28.12 um 12 Uhr 55 am Logan International Airport in Boston, wenn Ihr es uns nicht anders mitteilt. .PP Von uns ist nichts Erstaunliches zu berichten. Ich bin seit unserer R}ckckehr aus Deutschland derartig mit praktischen Aufgaben besch{ftigt gewesen, da~ ich kaum zum Schreiben gekommen bin. Zuweilen ergreift mich eine tiefe Sehnsucht nach der deutschen Sprache, welche mir das stille Versprechen abringt, in baldigster Zukunft mit dem n{chsten Roman zu beginnen; aber bei dem Versprechen nur ist es bis jetzt geblieben.