am 16. Juni 1993 .PP Des Morgens fr}h, im Halbschlummer, da kommen die Bilder und Vorstellungen und flie~en wie eine klare Quelle aus tiefem Erdreich. Sp{ter, wenn die kleinen M}hen des Tages mich abgelenkt haben, finde ich sie nicht mehr. Vielleicht ist sie vertrocknet, oder ist es mir nur unm|glich den Weg zu ihr zur}ck zu finden. .PP Es hat diese zwei Wochen in Anspruch genommen, eh der Eindruck der Deutschlandreise sich jedenfalls so weit gelichtet hat, da~ mir die Umrisse des k}nftigen Lebens, leidlich wieder erkennbar werden. Ich war Noch tagelang nach unserer R}ckkehr bannte mich ein Zauber in dem es mir schien, da~ die Vollkommenheit der Reise einerseits die Vorstellung, da~ sie vor}ber sei, ausschlo~, andererseits, ihre Wiederholung unm|glich machte, so da~ ich mich in Bezug auf die Deutschlandreise wie in einer Schwebe fand durchaus vergleichbar mit der Bahn des r}ckkehrenden Flugzeugs }ber den Wolken. .PP Zuletzt aber richteten die Gef}hle sich denn doch auf festem Boden. Nun erlebe ich die vergangenen Wochen wie einen Traum von grosser Magie, eine Geschichte die verstanden und erz{hlt werden will. Tats{chlich erscheint nun diese Zeit Die drei Wochen, welche ich dort verbrachte, scheinen nun wie eine Zusammenfassung des ganzen Lebens, oder jedenfalls eines wesentlichen Teils davon. .PP Ich bin im Begriffe ein Buch zu schreiben, nicht }ber diese Deutschlandreise ins besondere, aber ein Buch in welchem das Reisen nach Deutschland eine eigent}mliche Bedeutung hat. Es soll das Leben zweier junger M{nner beschreiben, seit ihrem Universit{tsstudium mit einander befreundet, derer sich jeder in eigener Weise nach etwas Besonderem sehnt, und etwas Besonderes werden will. Die Geschichte, welche ich vorerst einmal als k}rzere Novelle niederschreiben m|chte, erz{hlt von ihren Versuchen die Besonderheit nach welcher sie sich sehnen, erst im Studium, dann in der Ehe, dann im Beruf zu verwirklichen. Aber nichts gelingt. Der eine, der Matthias hei~t, ist Anwalt geworden, und f}hrt im Namen des anderen, seines Freundes Johannes einen Prozess gegen ein Krankenhaus, denn der Johannes ist Arzt, und weigert sich, so wie es das Krankenhaus von ihm verlangt, seinen Patienten zu schaden. Dieser Prozess pr}ft das Wesen nicht nur der Medizin sondern auch des Rechts. Er mi~lingt, mi~gl}ckt, schl{gt fehl, und mit dem Scheitern des Prozesses scheitert auch die Freundschaft zwischen Johannes und Matthias. Johannes sucht noch Matthias seine wissenschaftlichen Theorieen, von denen niemand etwas wissen will, vorzutragen. Diese aber werden von Matthias abgelehnt. .PP Im Laufe der Jahre ihrer Freundschaft habe die beiden sich oft }ber Deutschland unterhalten, und Johannes hat Matthias seine Ahnungen, seine Tr{ume, seine Sehnsucht erkl{rt; Matthias will nun nach Deutschland aus Gr{nden die er selbst nicht begreift. Vielleicht ist es nur im Johannes nahe zu kommen, oder ist es, um Johannes zuvor zu kommen. .PP Sie beide sind auf der Suche nach ihrer Vergangenheit, nach ihren Eltern, nach ihren Geschwistern, nach ihrer Kindheit. Daraus ergibt sich, da~ sie beide elternlos und familienlos in Amerika ankamen, da~ vornehmlich Johannes sich die deutsche Sprache und die Geschichte selbst, aus eigenster Sehnsucht angeeignet hat, und Matthias dieser Erbschaft, die ihm selbst nicht zug{ngig ist, durch Johannes habhaft werden will. .PP Aus unterschiedlichen Gr}nden wollen sie nun beide, aber separat, getrennt, nach Deutschland. Was Matthias, der Anwalt, dort zu finden meint, wei~ ich noch nicht, vielleicht den "wirklichen" Johannes. Mag sein, das Wesen der Gerechtigkeit, oder aber auch der Ungerechtigkeit, jedenfalls gel{utert von dem, das es sonst hier betr}bt. .PP Andererseits schwebt Johannes ein Ideal von geistig-seelischer Erf}llung vor. Er wollte seine Ideale, seine Wunsch- und Vorbilder, erst in seinem Studium, dann in seiner Beruflichen T{tigkeit verwirklichen, und hat }berall versagt. Es hat ihn von der Philosophie zur Literatur getrieben, und von der Literatur zum Leben. Das Leben hat ihn so schmerzlich entt{uscht, da~ er nun in einer romantischen Flucht einen Ausweg sucht. Er wei~ selbst nicht, ob er Deutschland sucht, oder nur seinen Freund dort. Etwa sechs Wochen nach Matthias Abreise, macht auch Johannes sich auf den Weg. .PP W{hrend die Lebensl{ufe der beiden Freunde in Amerika mir klar vor Augen liegen, ist es mir noch unklar, was ihnen in Europa, bezw. Deutschland geschehen wird. Ich will die Entidealisierung beschreiben, die Aufl|sung der ethischen und {sthetischen und erkenntnism{~igen Voraussetzungen, mit welchen sie ihre Laufbahn angetreten hatten, und welche sie w{hrend ihres Studiums wie einen Notbehelf fortentwickelten. .PP Am Ende treffen sie sich doch wieder und erw{gen zusammen nach Hause, zur}ck nach Amerika zu fliegen. Das aber schaffen sie nicht; einer bleibt zur}ck, und beide verelenden. .PP Nach Deutschland sind sie also gefahren, nach dem Zusammenbruch ihrer Freundschaft, separat, auf der Suche nach ihrer Vergangenheit, und finden anderes als sie erwarteten. Denn Matthias entdeckt, da~ sein Vater ein ber}chtigter Nazi, tats{chlich ein Besch}tzer der verfolgten war; und Johannes erf{hrt, da~ mit seinen Vorfahren nicht alles so in Ordnung war, wie man es ihm erz{hlt hatte. .PP Matthias begegnet bei einer Kirchenf}hrung die Delia, die Leiterin, die Gattin eines Philologen, die ihm beim Nachforschen in seine Vergangenheit behilflich ist, und ihm entsprechend bei der Beschwichtigung seines Gewissens zur Seite steht. Es entz}ndet sich in ihm eine hoffnungslose Liebe f}r sie. (Die Namen der Schwester Lelia-Delia-Diana, Dora-Flora-Nora?) .PP Johannes trifft, bei der Betrachtung einer Zeichnung von Picasso, in einem k|lnischen Museum, Delias Zwillingsschwester Flora, welche ihn erst nach seiner Deutung des anst|~igen Kunstwerks ausfragt, ihn dann beschuldigt, sie in dem Bilde angeschaut zu haben, ihn dann in seinem Zimmer besucht, sich vor ihm entkleidet, und er sie aus Mitleid beschl{ft. (best|~t.) Danach will sie ihn zur Ehe zwingen. Sie erz{hlt ihm von ihrer Zwillingsschwester Delia Dora, und da~ Delia auch einen Amerikaner deutscher Abstammung bei sich im Hause wohnen hat, und dringt Johannes ihn kennen zu lernen. Zwar ist sie seit Jahren von dieser Schwester entfremdet, aber nun hat sie die Neugier gepackt, und traf Vorkehrungen zu einem Besuch. .PP Als Matthias das Ebenbild seiner heimlich geliebten Delia erblickt, vermag er sich der Liebe zu Lelia nicht erwheren vermag. Er verdr{ngt den Johannes, seinen Freund, als ihren Br{utigam. Dieselben Hochzeitsvorbereitungen werden eingehalten, und Johannes fliegt einsam, seines Freundes und seiner Illusionen beraubt, nach Amerika zur}ck.