am 14. Mai 1993 in Kierspe .PP Reiner Kunze, Am Sonnenhang, Tagebuch eines Jahres. Gertraud und Bernd haben es mir zum Willkommen auf den Tsich gelegt, und ich habe es heute nachmittag wo es regnet durchgelegen. Ob ich w{hrend dieses Besuches dazu Stellung nehme, oder ob ich auch Belmont einen Brief dar}ber schreibe, wei~ ich noch nicht. .PP Weshalb ich so wenig, oder eigentlich garkeine zeitgenssische Literatur gelesen habe, sollte ich dar}ber Rechenschaft erteilen m}ssen? Wahrscheinlich ist es keine stichhaltiger Grund. Besorgnis vielleicht, da~ mein eigenes Schreiben, so gering es auch sein mochte, dadurch gest|rt, davon beeintr{chtigt oder unterbunden w}rde, oder vielleicht einfach der Neid, da~ ich selbst nie vergleichbares ver|ffentlicht habe, und vielleicht nie w}rde schreiben k|nnen. Weil ich mich abgestossen f}hlte von allem das nicht mein eigenes Erleben wiederspiegelte. Aber wie dem auch sei, wie mit so viel anderem ist es jetzt daf}r zu sp{t. .PP Ich sitze, indem ich diese Worte in Elaine Loefflers Laptop Computer einregistriere, im zweiten Stock des strangfeldschen Hauses und blicke |ber das Dach des an der Lessingstrasse gegen}berliegenden Hauses auf eine bewaldete Anh|he, auf welcher Margaret und ich vorgestern wanderten, die jetzt im Nebel entfernter erscheint, als sie es tats{chlich ist. .PP ]ber das Buch, habe ich folgende Einf{lle. 1. Zum ersten finde ich das befangene Selbstbewu~tsein des Dichters bezw. Schriftstellers bemerkenswert. oder sollte ich es als selbstbewu~tes Befangensein beschreiben, self-consciousness ist was ich meine, wof}r mir aber die richtige ]Bersetzung nicht einfallen will. Denn es ist doch nichts allt{gliches da~ ein Mensch seine Einf{lle und Eingebungen, die einfachsten nicht weniger als die Bedeutendsten f}r so wichtig h{lt, da~ er sie f}r die Allgemeinheit dokumentiert. War es weil die Gedanken ihm f}r so gewichtig erscheinen, oder weil er sich selbst f}r so bedeutend erscheint, oder weil er des Geldes bedarf um die Schulden welche er f}r das Haus am Sonnenhang eingegangen ist, abzahlen m|chte.