am 22. Mai 1992 in Pommersfelden Gestern abend war ich wieder zu mu#de um Notizen zu machen. Wir waren von hier u#ber Hochstadt, Neustedt, nach Bad Windsheim gefahren, hatten dort die Kopie eines Riemenschneider Altars gesehen, waren dann weiter u#ber Illesheim, Gallmersgarten, Steinach, nach Tauberschneckenbach an die Taubergefahren, von dort tauberabwa#rts nach Creglingen in die Herrgottskirche zu dem Riemenschneider Marien Altar. Wieder war ich ergriffen von der Deutung welche Riemenschneider dem darzustellenden Begebnis gibt, in diesem Falle die Bestu#rztheit und Traurigkeit der Ju#nger bei der Himmelfahrt Mariens. Ich sah darin nicht nur der Schmerz der Trennung, sondern auch die Liebe, welche die Trennung so schmerzhaft macht. (Ist es wirklich die Liebe, oder nur die Angst vor dem Alleinsein, welche die Trennung schmerzhaft macht? Ist vielleicht Liebe auch nur verkappte Angst vor dem Alleinsein?) .PP Von Creglingen fuhren wir nach Dettwang. In der kleinen Kirche dort, im Taubertal zu Rothenburgs Fu#ssen, ist ein Riemenschneider Altar mit einer Kreuzigungsszene, welche zum Teil dadurch bemerkenswert ist, dass unter dem Kreuze nicht nur Maria und Johannes stehen, rechts und links in der u#blichen Verteilung, sondern zwei Gruppen von Menschen, die Trauernden, Maria und Johannes, sowie auch andere Ju#nger zu Christus rechten, zu seiner linken aber die Gleichgu#ltigen, die Kriegsknechte und Schriftgelehrten, nebst den anderen Gerechten und Unbeteiligten. .PP Es fiel mir ein, dass zur Zeit der Reformation, die Kreuzigung Christi der Inbegriff menschlicher Schlechtigkeit und menschlichen Leidens, menschlicher Verwundbarkeit war, etwa wie fu#r uns heutzutage das KZ, und dass deshalb unser Weg nach Buchenwald eine Art Pilgerfahrt war, vergleichbar mit der Besichtigung der Kruzifixe in den Kirchen. .PP Die Kriegsknechte welche so eindrucksvoll am Heilig Kreuz Altar in Dettwang und am speyerischen O#lberg dargestellt sind, Von Dettwang fuhren wir wieder tauberabwa#rts u#ber Creglingen, Ro#ttingen, nach Weikersheim. Hier besichtigten wir fu#r je DM 4.- das grosse Schloss. Die Fu#hrerin war eine Frau, etwa fu#nfzig Jahre alt, mit einem stark ?wu#rtemmbergischen Akzent, einem ausgepra#gten Hochmut, und einer gewissen Frechheit. Es schien fast als identifizierte sie sich mit den Herrschaften deren verschwenderische Extravaganz sie vorfu#hrte. Darunter etliche Zimmer mit kostbarsten Tapeten und Mo#beln, mit venezianischen Spiegeln, Kristall und Silber. Der Begriff von conspicuous consumption bekam eine gesteigerte Bedeutung. Und vor allem der Rittersaal, ein riesiger Speisesaal, u#ppig mit Jagdtierko#pfen geschmu#ckt, mit einer kunstvoll bemalten Decke, aus dem sechzehnten Jahrhundert, dessen Prunk zu beschreiben u#ber meine Kra#fte geht. In der Orangerie, dem grossen formellen Gartenanlage hatten sie sogar Karikaturen des Hauspersonals aufgestellt, als wa#re es ihnen darum getan, ihren Bedientesten die letzte Entwu#rdigung zuzufu#gen. Mir viel auf das weder in dem neuerem aus etwa 1712 stammenden Teil des Schlosses, noch dem a#lteren aus 1610, irgend einee Andeutung einer Religionsempfindung zu finden war. In dem Treppenhaus waren unza#hlrige Portra#ts der fu#rstlichen Familie, viele von Tischbein gemalt. Wa#hrend wir in der Orangerie spazierten wurde der o#stliche Himmel u#berzog den o#stlichen Himmel eine bedenkliches Dunkel, die Kirchenglocke fing an zu leuten, wie um Sturm, und wir eilten zu unserem Auto zuru#ck, besonders um die teueren photographischen Apparate vor dem Regen zu schu#tzen. Und fuhren dann, von leichten Regentropfen begleitet nach Bad Mergentheim. Hier aber war es nun wirklich zu spa#t, irgend etwas von innen zu besichtigen. Nur eine Kirch war offen in welcher ein katholischer Gottesdienst von einer gelbgekleideten Priesterin geleitet, gehalten wurden, an dem wir voru#bergehend teilnahmen. Die Musik aber liess zu wu#nschen u#brig. Wir fuhren dann in der einbrechenden Dunkelheit zuru#ck nach Pommersfelden. am 22. Mai 1992 Im Hotel Riedstern, Stahlbaustrasse 11, 6086 Riedstadt 1 Tel 06158/1071. Wie merkwu#rdig, die Telephonnummer aus Braunschweig aus der Kindheit. Heute morgen sind wir aus Pommersfelden nach Bamberg gefahren. Haben die Riemenschneider Grabsta#tte fu#r den Kaiser und die Kaiserin gesehen, sind dann ins Museum am Domplatz gegenu#ber dem Dom gegangen, um eine Schliemann Ausstellung zu besichtigen. Die war veranstaltet angesichts des wiederkehrenden Todestages des merkwu#rdigen eigensinnigen Forschers, sowohl als aus Anlass der Wiedervereinigung Deutschlands, welche die getrennte Sammlung zusammen gebracht hatte. Dann fuhren wir B 22 u#ber Burgebrach, Burgwindheim, und Ebrach nach Wu#rzburg. in Burgwindheim und Ebrach versuchten wir vergebens die Kirchen zu besichtigen. In Wu#rzburg parkten wir den Wagen am Alten Kran am Main, und gingen dann zu Fuss in das Main Fra#nkische Museum in der Marienburg, welche herrlich und herrschaftlich auf einem Berge am entlegenen Mainufer steht. An der Sammlung interessierten mich vor allem die Schnitzereien und Bildhauerein von Tilman Riemenschneider, welche ich gewissenhaft mit dem Camcorder aufnahm, die mich aber nicht in der gleichen Weise beeindruckten, wie die Alta#re in Rothenburg, Creglingen und Dettwang. Es war ein heisser Tag, und wir trabten auf dem harten Pflaster zur Marienkirche, aber die war geschlossen, und so entschlossen wir uns um sechs Uhr nach Richtung Frankfurt abzufahren. Auf der Autobahn, zuweilen im 140 Kilometer Tempo dauerte diese Fahrt nicht sehr lange. Wir hatten zuerst gedacht nach Assmannshausen zuru#ckzufahren, hatten dann aber aus Bedenken vor einem Autobahnstau davon abgesehen, und haben nach einigem besorglichen Umherfahren dieses sehr elegante, und eigentlich garnicht u#berma#ssig teuere (DM 95.00 pro Nacht) Hotel gefunden. Weil die Wortin in Pommersfelden fu#r Dusche und Bad zusa#tzlich berechnete, hatten wir uns dort nur u#ber dem Waschbecken gewaschen, und werden das Duschen hier nachholen. Morgen fru#h fahren wir zum Flughafen. Werden dort mehrere Stunden warten, um unseren Flug nicht zu verpassen. Dieser ist um 14:00 Uhr angesetzt. Sieben Stunden spa#ter sind wir in Boston.