am 18. Mai 1992, wieder in der Pension Barbara in Schierke. Wir hatten gestern abend wieder in Gifhorn u#bernachtet, hatten tatsa#chlich unsere Herberge nur mit Mu#he finden ko#nnen, und waren dann heute morgen als erstes ins Siegriedviertel, ans Wasch Center am Burgundenplatz gefahren, und hatten unsere Wa#sche gewaschen, am selben Ort wie vor acht Jahren. Dann waren wir in die Stadt Braunschweig gefahren, die mit Autos u#berfu#llt war. Einen Parkplatz fand ich nur im Parkhaus an der Wilhelmstrasse. Von dort aus gingen wir zu Fuss, erst um ein paar Bu#cher zu kaufen, aber ich verlor den Mut und kaufte nur ein kleines Rechtslexikon und eine kleine Sammlung der Schriften von Heinrich Bo#ll. Besorgte mir aber die Kataloge der verschiedenen grossen Verla#ge. Vielleicht werde ich mir wenn ich zuru#ck bin, doch noch etwas bestellen. Wir gingen dann durch die einstige Altstadt, die jetzt so ungebu#hrlich affluent wohlhabend erscheint, wo so viel ver und gekauft wird von Menschen die garnicht wissen wie die Stadt einst war. Gingen dann u#ber den Lessingplatz zur A#gidienkirche, wo die Katholiken ein ju#dischen Museum ghettoartig abgetrennt von dem Landesmuseum und doch angeblich ein Teil davon. Dann fuhren wir nach Riddagshausen. Der Weg zur Klosterkirche war aufgerissen und wurde neugebaut. Die Klosterkirche selbst hielt am Montag den Ruhetag und war geschlossen. So fuhren wir u#ber Scho#ppenstedt Harzburg und Braunlage wieder nach Schierke wo wir in dem selben Zimmer u#bernachten wie ketzte Woche. Wir hatten vorgehabt nach dem wir das Zimmer gemietet hatten nach Goslar zu fahren, aber die Strasse Nr 27 zwischen Braunlage und Elend wurde gebaut, und uns fehlte der Mut die ungebu#hrlich lange Fahrt noch am Abend anzutreten. Stattdessen gingen wir u#ber den kleinen Bach der durch das Dorf fliess auf den gegenu#berliegenden Berg, welcher der Barenberg genannt wird, und bestiegen auf dem Wege die Schnarcherklippen von welchen Goethe angeblich im Faust schreibt. Die Iceline im Yoho Park war es kaum. Vielleich, dass ich senil werde, aber ich glaube dass ich jetzt sogar mich mit dem schlimmsten in der deutschen Geschichte abfinden vermag. Weshalb es so lange gedauert hat, bis ich dahin gekommen bin weiss ich nicht. Vielleicht ist es eine Variante der Bereitschaft zum Tode. Die Idealita#t der Gesellschaft welcher der Mensch meint sich gegenu#ber zu haben ist letzten Endes doch Illusion, Ta#uschung welche sein Tun und Leben einerseits fo#rdert, andererseits aber behindert. Es ist von grossem Wert, dies zu erkennen, wenn die Erkenntnis auch das Feld der Handlung aufhebt oder verwandelt. am 19. Mai 1992, um Mitternacht, in Pommersfelden bei Bamberg. Wir sind heute morgen von Schierke u#ber Werningerode nach Goslar gefahren, wo Markt war sind dann zwei oder drei Stunden durch die Stadt gegangen, eh wir im 120 bis 140 Kilometertempo fast die ganze Strecke Autobahn, nach Pmmersfelden geahren sind. Im Schlosshotel war nur noch ein Appartement fur DM 130.- zu mieten , aber gegenu#ber fanden wir fur DM 46.00 ein Zimmer, fuhren dann nach Bamberg, stellten den Wagen in einer Tiefgarage ab und wanderten durch die Innenstadt. Es wurde dunkel, wir verliefen uns, vielleicht ohne Grund befu#rchtete ich mit meinen zwei teueren Kameras und mit dem vielen Gelde in der Tasche u#berfallen zu werden. Wir beschleunigten unsere Schritte, liefen immer im Kreise herum, bis nach zweimaligem Fragen, wir zuletzt doch zu der Gerage in welcher sich unser Wagen befand zuru#ck gelangten. Dann fuhren wir, es muss viertel nach elf gewesen sein, nach Pommersfelden, wo wir kurz vor Mitternacht ankamen. Die Pension scheint angenehm zu sein. Und garnicht teuer. Die Reinlichkeit aber kostet extra, die Dusche DM 1.50, und das Bad DM 3.00. Und nun zum Schlafen. am 21. Mai 1992 in Pommesfelden bei Bamberg. Gestern abend war ich so mu#de, dass ich nicht dazu gekommen war meine Notizen fortzufu#hren. Wir waren des morgens nach Rothenburg o.T. gefahren, wo wir nicht weniger als fu#nf Stunden durch die Stadt und durch dir Kirchen gingen. Die nachdru#cklichste Erinnerung ist an den Blutaltar, und dessen Abendmahlsszene, denn es scheint mir dass der Ku#nstler das Abendmahl als die Auflo#sung einer Gesellschaft anerkennt, mit den vielen erschrockenen Gesichtern von Menschen die sich nicht mehr ansehen ko#nnen. In Dinkelbu#hl in der katholischen Georgskirche hat man das Photographieren verboren. Ich weiss nicht wie ich dies deuten soll, Ist es die Bekehrung zum Bilderverbot? Ist es die Bekra#ftigung des Go#tzendiesenstes? Letzteres wohl nicht, denn dass photographische Abbilden wa#re ja eine Vervielfa#ltigung der Abbilder, welche dem Geist der sie geschaffen hat, durchaus genehm sein sollte. Von Dinkelsbu#hl fuhren wir zuru#ck nach Creglingen, zur Herrgottskirch, ums den anderen Altar Riemsnchneiders zu sehen, aber es war natu#rlich zu spa#t, und wenn wir es wirklich wollen, mu#ssen wir heute noch einmal hinfahren. Zum ersten mal kann ich mir vorstellen wieder in Deutschland leben zu ko#nnen, und wenn ich diese Mo#glichkeit spielerisch erwa#ge, dann bereitet sie mir sogar ein Modicum der Unentschiedenheit.