am 16. Mai 1992 im Wagen in Lu#beck Wir sind mit Lu#beck fertig. Nochmal dreieinhalb Stunden sind wir durch die Stadt und durch die Kirchen gegangen, haben die Marientkirche, den Dom, und die Petrikirche besichtigt. In einem christlichen Buchladen habe ich eine franzo#sische Bibel, und ein deutsches lutherisches Gesangbuch gekauft. Die Buber-Rosenzweig Bibel noch dieVulgata waren vorra#tig. Sie werden bestellt und werden nachgeschickt. Ich habe mit einem Scheck u#ber $150 bezahlt. Die Fahrt nach Braunschweig, bezw. Gifhorn, war, bis auf einen Zwischenfall, unbescherlich. Na#mlich jutz hinter U#lzen war ein grosser Autobus hinter mir. Ich aber wollte langsamer fahren und mir war das Bewusstsein, einen anderen ungedulfigen Fahrer hinter mir zu haben, unangenehm. Deshalb bog ich auf einen Parkplatz ab, um den Autobus und andere Fahrer die es eiilig hatten, voran fahren zu lassen. Als ich wieder auf die Strasse bog, sah ich nur einige entgegenkommende Wagen. In meiner Fahrtrichtung erschien niemand. Ich wandte den Hals nach links so gut es meine Arthritis mir erlaubte. Ich fur#chtete einen von hinten kommenden Fahrer u#bersehen zu haben. Als ich wieder geradeaus blickte, da sah ich, dass einer der entgegenkommenden Autos, zu u#berholen begonnen hatte, und also dicht neben uns vorbei fuhr, furcht erregend um eine head-on collision, die fast, aber doch nciht geschehen war. Ich erinnerte mich an den Totentanz Gema#lde die ich soeben im der Matienkirche in Lu#beck gesehen hatte, dass man niw wissen kann, wann der tod eintritt, und deshalb immer bereit sein muss, ihm zu begegnen. Es ist morgens, am 17. Mai 1992. Wir haben in Winkel ei Gifhorn u#bernachtet, und werden, wenn ich die Wirtin heute morgen auffinden kann, auch noch eine weitere Nacht hier bleiben. Margaret hat nicht gut geschlafen. Ich habe wa#hrend der Nacht Schmerzen im Bein und im Ru#cken gehabt. Heute morgen aber ist alles besser. Gestern abend haben wir eine zwei ein halb stu#ndige Wanderung durch die Heide gemacht. Haben auch einiges Heidekraut entdeckt, viele weiss sta#mmige gru#ndene Birken, und u#berall singende Vo#gel. Verschiedentlich scheuchten wir Rebhu#hner auf, die dann mit lautem Geklapper der Flu#gel davon flogen. Jetzt steht mir Braunschweig bevor. Und ich muss es ehrlich gestehen, dass ich mich nicht zuru#cksehne, dass keine Spannung mich dorthin zuru#ckzieht, dass ich nichts neues dort zu lernen erwarte. Was ich meine no#tig zu haben, und was mir nach den verschiedenen Ablehnungen meines Romans umso schwieriger erscheint ist die eigene Arbeit, und manchmal vermag ich nicht mir vorzustellen, wie sie aussehen wird, worin sie bestehen soll. Ich denke, wenn das Leben Arbeit ist, dann wenn die Arbeit zu ende ist, sollte vielleicht auch das Leben zu Ende sein. Die Arbeit aber ist ja auch ein Begriff der das Verha#ltnis des Einzelnen zur Gesellschaft kennzeichnet. Es ist, denke ich ein Irrtum, die Gesellschaft in dem anderen Menschen verko#rpert zu erkennen, denn die Gesellschaft geho#rt ihm ja auch nicht, ist ihm so benig begreifbar und greifbar wie mir. Die Gesellschaft ist eben die Abha#ngigkeit der Menschen von einander. Es ist fu#nf vor Mitternacht. Wir kamen vor ungefa#hr einer Stunde in unser Zimmer in Gofhorn zuru#ck, da wir uns verfahren hatten, mit etwa fu#nfundvierzig Minuten Verspa#tung. Wir waren im Elm gewesen. Waren oberhalb von Ampleben denselben Weg am Waldrande gegangen wie vor acht Jahren mit Klemens. Der hohe Buchenwald war zum grossen Teil abgeholzt, aber u#berall wuchs neues Gru#n. Wenn man den alten Wald nicht gekannt ha#tte, wu#rde man ihn kaum vermissen. Als wir heute im Landesmuseum im einstigen Vieweg Haus an der Burg Dankwarderode waren, und ich die vielen Ausstellungen, Gera#te, Handwrkszeug, Mo#beln, Trachten alter vergangener Zeiten betrachtete, da u#berkam mich die Einsicht, dass mir meine Kindheit und Jugend auch historisch geworden war, in dem Sinne dass ich sie nunmehr nicht zu erreichen vermochte, ebensowenig wie ich das 18 oder 17. Jahrhundert einzubegreifen vermochte. Ich erinnere Hofmannsthals Terzinen an die Verga#nglichkeit so wie auch Rilkes Bestreben seine Kindheit zu vervollsta#ndigen. Schon immer habe ich das historische Bewusstsein als eine schwere erdru#ckende Last empfunden. Nun wird mir dieses Bewusstsein als eine unvermeidliche Last aufgezwungen. Es ist zum Teil wegen der Schwa#che des eigenen Gemu#ts, sein Unvermo#gen die Gegenwart und die Vergangenheit ineinander zu verschmelzen, und zum Teil die u#berwa#ltigende Schwierigkeit die grossen durch den Krieg verursachten Verwandlung in die Gegenwart hineinzubeziehen.