am 7. Mai 1992 diktiert auf der Fahrt von Assmannhausen nach Aue. In Assmannhausen gibt es ausser der Krone nicht nur ein Motorroller Museum sondern es gibt auch ein Oldtimer Museum, mit dem Vermerk erkla#rt, "Menschen und Autos", vermutlich um die Zusammengeho#rigkeit der beiden zu feiern. .PP Die Landschaft zwischen Limburg an der Lahn und Giessen ist vielfach durch Industrie verunstaltet. Auch ist die Luft verschmutzt. U#berall jedoch blu#hen die Ba#ume. .PP Im deutschen Radio berichtet man viel und in Einzelheiten von den Menschenrechtsu#bertretungen anderer, besonders u#ber die Tortur in der dritten Welt, wird mit unziemlichen Eifer und Ausfu#hrlichkeit berichtet. Ich habe den Eindruck, dass die Deutschen sich an dem Beweise laben, dass auch andere Vo#lker als das ihre der Greueltaten fa#hig sind. Das Bewusstsein, dass sie nicht die Einzigen waren, entlastet sie. .PP Heute abend ho#rten wir eine lange Sendung u#ber die Vo#lkerwanderung. Die amerikanischen Bestrebungen, sich gegen die Immigration von Mexico abzuschanzen wurden ausfu#hrlich beschrieben und besprochen. Dies ist auch ein Problem das den Deutschen augenblicklich grosse Sorgen bereitet. Es wurde in den drei substantiven Gespra#chen die ich bis jetzt mit Deutschen gehabt habe, von einem jeden von sich aus, spontan, erwa#hnt, von Frau Schneider in Assmannshausen, von dem abgedankten Regierungsbeamten, der uns auf der Fussga#ngerbru#cke in Speyer anredete, und zuletzt und vielleich am wichtigsten von Herrn Steinert, von dem ich weiss, dass er selbst Flu#chtling war. Der Versuch der Menschen eine objektive Gerechtigkeit aufzustellen bewirkt wie mir scheint unvermeidlich eine Unzahl unlo#slicher Probleme, und diese sind, wegen des fast universellen Glaubens an die Vernu#nftigeit der Welt, unerkannt geblieben, geschweige denn, dass es jemals gelungen wa#re sie zu beantworten. .PP Wir sind in Aue. Nach einer ziemlich langsamen, und zum Teil auch unscho#nen Fahrt von Assmannhausen nach St. Goarshausen, nach Limburg an der Lahn, Nassau, Wetzlar, an Giessen vorbei, nach Bad Hersfeld, Eschwege, und zuletzt Aue. Die Vermieter, Steinerts waren fort. Wir warteten etwa eine Stunden auf sie, dann kam ihre Tochter und versicherte uns, dass die Eltern baldigst zuru#ck sein wu#rden. Wir fuhren nach Vo#lkershausen und das Schlierbachstal hinan nach Weissenborn. Als wir wieder nach Aue zuru#ckkehrten, waren Herr und Frau Steinert zur Stelle. Sie vermieteten uns unser Zimmer fu#r mehr als ich eigentlich zu zahlen erwartet hatte, aber die Tatsache, dass sie genau wie Frau Schneider den Preis pro person angaben, und dass dieser genau derselbe war, den wir in Assmannshausen bezahlt hatten, machte mich zuversichtlich, dass Frau Schneider uns nicht, wie ich gefu#chtet, betrogen hatte, und diese Tatsache befriedigte mich. .PP Nachdem wir unser Zimmer gemietet hatten, fuhren wir zuru#ck u#ber Vo#lkershausen, Weissenborn, Rambach, Rittmannshausen, und kurz danach in die einstige DDR. Die fru#here Zonengenze war aufgerissen, gewa#hrte einen freien Durchlass, war aber im U#brigen unverkennbar. Wir fuhren weiter u#ber Ifta und Creuzburg, nach Eisenach, denn ich vermochte nicht den Wegweisern zu widerstehen. Es dunkelte als wir in die Stadt fuhren, aber am blau grauen Horizonte meinte ich unzweifelhaft die Wartburg erkennen zu ko#nnen. Es mag Voreingenommenheit sein, Ostdeutschland kam mir scha#big und arm vergleichbar mit West Virginia vor. .PP am 8. Mai 1992 Wir haben in Aue u#bernachtet. Wieder habe ich, wie bei der ersten Reise, eine Halsentzu#ndung, doch anscheinend nicht so schlimm, wie letztes Mal, jedenfalls jetzt noch nicht. Wieder, wie letztes Mal, haben wir ein sehr reichhaltiges Fru#hstu#ck genossen, aus Kaffee, Bro#tchen Honig, zwei Eiern je, Aufschnitt, und einer wunderbaren mit Branntwein gespickten Brombeermarmelade. Herr Steinert hat uns wieder Geschichten aus seinem Leben erza#hlt, hat uns Bilder gezeigt von seiner Eltern Haus in den Sudeten, wie es heute verfallen und verwahrlost ist, Bilder auch von der zersto#rten und geplu#nderten Kirche. Heute wollen wir ein wenig im Thu#ringer Wald wandern, nach Eisenach, Eisleben, Weimar, und dann heute abend wieder hierher zuru#ck und hier wieder u#bernachten. Morgen dann vielleicht nach Leipzig, Braunschweig, oder Berlin. .PP Immer wieder die Frage nach dem Ursprung der Schlechtigkeit der Menschen. So wollte sie Herr Steinert ero#rtern. Diese Frage aber ist vergleichbar mit der Frage nach der Theodizee. Sie bedient sich eben die Voraussetzung, dass die Menschen fa#hig wa#ren die Welt gut zu machen, wenn sie nur wollten. Man fragt weshalb sie es nicht wollen, wa#hrend die Theodizee traditionell fragte, weshalb Gott die Welt nicht vollkommen gemacht hat, weshalb er das Leiden erlaubte, wo es doch in seiner Macht stand, dies zu beseitigen, wenn er es gewollt ha#tte. Ich pontifizierte mit meiner u#blichen Antwort, von wegen einer arztgema#ssen Einstellung den Leiden der Gesellschaft gegenu#ber nicht weniger als einer arztgema#ssen Betrachtung der Krankheit des einzelnen Menschen. Dies Thema soll ein wesentlicher Bestandteil des neuen Romans werden. .PP Abends, am 8. Mai 1992 Wir waren im Bachhaus in Eisenach und auf der Wartburg. Dann in Mu#hlhausen. Auf dem Hinweg dachte ich von Vo#lkershausen nach Grossburschla zu fahren, verfehlte aber die Abzweigung, so befanden wir uns auf der Strasse nach Weissenborn, die wir am Tage zuvor gefahren waren. Vor Weissenborn wanderten wir ein kurzes Stu#ck nach Su#den. Ich suchte die Zonengrenze, ohne jedoch sie zu finden. Zwischen Weissenborn und Grossburschla u#berquerten wir sie. Der Zaun war nur stellenweise entfernt. Die Pfosten standen noch. Die Fahrwege auf denen die Soldaten die Grenzen patroulliert hatten waren kaum oder garnicht u#berwachsen. Die Strasse von Grossburschla nach Schnellmannshausen la#uft la#ngere Strecken direkt an der alten Zonengrenze. Bei dem Versuch die steile Bo#schung zu erklimmen um ein umfassenderes Bild des Werratales zu bekommen, rutschte ich aus, und beschmutze den Camcorder, auf dessen Viewfinder verschiedene kleine Flecken und ein ganz feiner Grasshalm von diesem kleinen Unfall Zeugnis abgeben. Von Schnellmannshausen fu#hrte der Weg nach Creuzburg wo uns ein trostloser Marktplatz begru#sste. Die offensichtlich sehr alte Dorfkirche wurde renoviert, war verschlossen. Ein erstickender Kohlegeruch lag schwer in der Luft. Wir kamen nach Eisenach, wo uns Schilder den Parkplatz zum Bachhaus anwiesen. Wir fuhren dorthin, obgleich wir einen solchen Besuch nicht vorgesehen hatten. .PP Das Bachhaus ist keineswegs das Geburtshaus Bachs denn dieses ist unbekannt. Es ist vielmehr ein Denkmal von der Stadt Eisenach fu#r "einen ihrer gro#ssten So#hne". Wen sie wohl sonst noch im Sinne haben. Eintrittskarten waren vier oder fu#nf Mark pro Person.