Es ist Mitternacht. Heute abend, um sechs Uhr geht unser Flug nach Deutschland. Klemens wird uns zum Flughafen fahren. Am Anfang dieser Reise hat sich eine Stimmung meiner bewa#ltigt, unterschiedlich von jeder anderen die erlebt zu haben ich mich besinnen kann. .PP Klemens, Laura, Nathaniel und Rebekah haben uns zum Flughafen gebracht. Rebekah hatte bei der Trennung einen Wutanfall, es ist aber durchaus nicht klar, ob diesem die Scheidung, oder irgendein versagter Wunsch zugrunde liegt. Jetzt sind sie fort, ich denke auch sie sind ein wenig erleichtert, dass die Trennung hinter ihnen liegt. Meinerseits bin ich im tiefsten davon u#berzeugt, dass es das richtige ist, dass wir nun endlich diese Reise, die so lange im Gemu#t vorbereitet war, doch antreten, obgleich sie mir am Ende viele Sorgen eingeflo#sst hat. Vor etwa drei oder vier Stunden, als ich dann mit dem Packen fast vo#llig fertig war, u#berfiel mich eine erschreckende Angst. Es war nicht, dass ich um mein Leben Angst hatte, es war die Angst einen Fehler gemacht zu haben. Habe ich doch meine ganzes Leben darauf aufgebaut, durch U#berlegung und Vernunft mein Leben zu regieren, und in diesen Minuten, denn Stunden waren es ja kaum, da u#berflutete mich die Ahnung dass es doch ein Fehler war. "Tun Sie es nicht, Tun Sie es nicht," hatte Heinrich an der Zahnradbahnkreuzung des Westpfades Dorothea zugeraunt, "Sie fahren in der falschen Richtung, Sie fahren in die Ho#lle." Tatsa#chlich aber hatte er keinen Grund dies anzunehmen. .PP Seit ich die verschiedenen Ablehnungen, rejection slips, meines Romanes empfangen habe, hat sich in mir unerwarteter, und etwas erschreckender Weise mein Urteil u#ber mein Schreiben in merkwu#rdiger Weise verwandelt. Denn was mir einst als Beispiel so grosser Dichtkunst erschien, dessen scha#me ich mich jetzt es zu lesen. Und mehr noch als u#ber das Geschriebene, scha#me ich mich u#ber die Unbesta#ndigkeit meines Urteils. .PP Ich meine die Sprache als das sta#rkste, zugleich aber unscheinbarste Band der Vergesellschaftung zu erkennen. Meine Liebesaffa#re mit der deutschen Sprache ist ein Suchen nach menschlichem Zusammensein, und steht durchaus im Widerspruch zu der Einsamkeit welcher mein Leben sonst bezeichnet. Der aristotelische Satz vom gesellschaftlichen Wesen des Menschen wird fu#r mich durch mein Erlebnis der Sprache aufs eindringlichste besta#tigt. Es war also doch Ta#uschung, wenn ich meinte, mittels des Schreibens eine gu#ltigere gesellschaftliche Beziehung schaffen zu ko#nnen, eine Ta#uschung welche aber von den anderen Ta#uschungen des Menschendaseins ununterschieden ist. Es scheint, dass der Mensch in Ta#uschungen eben dieser Art sein Element hat, und dass er ihnen nicht entgehen kann, und dass, genauer betrachtet das Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft erst durch solche Ta#uschungen ermo#glich werden. Ich vermute dass diese Ta#uschungen Vorbedingungen fu#r das Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft sind. .PP Im Flugzeug, im DC-10, jetzt hoch u#ber dem Nord-Atlantik. Das Letzte was ich vorm Dunkel aus dem Fenster sah, war eine Ku#ste, ein Streifen Land begrenzt vom Meer mit einem du#nnen Rand, fein wie ein Seidenfaden. und ein Meer voller Eisflo#sse. Bis kurz vor acht Uhr war es noch hell. Wahrscheinlich ist es, weil wir so weit no#rdlich fliegen, dass es verha#ltnisma#ssig spa#t dunkel wurde. Jetzt ist draussen vor dem Fenster alles schwarz, und in der Nacht ist nichts als das blitzende Warnsignal an der Spitze der Tragfla#che, einige Meter vor unserem Fenster zu sehen. Die Flugzeugmahlzeit, ein Rinderbraten mit Rotkohl, mit gru#nem Salat und gera#uchertem Lachs, war schmackhafter als ich erwartet hatte. Zum Nachtisch gab es ein wenig Cremepudding. Jetzt aber komme ich mir wie ein gestopfter Ba#r vor, und weiss wahrhaftig nicht, wie ich das Fru#hstu#ck, welches man uns in knappen drei Stunden auftischen wird, werde zu mir nehmen ko#nnen.