am 18. Februar 1990 .PP Das einzige Schreiben das der Mu#he wert erscheint, sind die Worte, die Sa#tze, die Gedanken, welche sich mir ungeboten aufdra#ngen, und welche ich bewahren mo#chte, nicht wegen ihres geringen Wertes, sondern um die Mo#glichkeit zu schaffen, sie mir von Zeit zu Zeit noch einmal vor Augen zu fu#hren. Und dies auch nicht um mich selbst zu beweisen, sondern, in erster Linie, um mir Ansatzpunkte zu weiterem Denken zu bieten, um mein Geda#chtnis zu erga#nzen, und zweitens, von kaum geringerer Bedeutung, um eine fremde Geisteswelt zu verdra#ngen und sie mit einer eigenen zu ersetzen. Dies mag zwar nicht immer wu#nschenswert sein, wird aber wenn es massvoll betrieben wird auch nicht schaden. Das Einzige, jedenfalls, was niederzuschreiben ich geno#tigt bin, sind Einfa#lle dieser Art, zu der Zeit, und in der Form, wie sie sich bieten. Und die Redigierung von ihnen wa#re wahrscheinlich vertane Zeit. .PP Es bleibe dahingestellt, in wie fern der Geist des Einzelnen als ein Spiegel der Welt, oder sein Weltbild als Spiegel des Geistes des Einzelnen betrachtet werden sollte. .PP Eine der wesentlichsten Aufgaben, welche sich dem Menschen bieten, ist mit dem Welthistorischen, d.h., mit der objektiven o#ffentlichen Welt wie sie sich dem Einzelnen aufdra#ngt, und wie sie mit Verlockungen und Drohungen den Einzelnen von sich selbst abzulenken und abzuleiten entschlossen ist, einen Vergleich zu schaffen. Dies ins Besondere im Angesicht der Tatsache, dass der Mensch der Gesellschaft abha#ngig ist, dass sein biologisches so wie auch sein geistiges Leben von ihr abha#nging ist; so muss denn die Trennung von ihr, das Entsagen, als eine Erscheinung des Reifens oder vielleicht auch der Fa#ulnis und Verderbnis interpretiert werden, vergleichbar mit dem Abfall der Frucht vom Baume der sie getragen hat, auf dem sie gewachsen ist. .PP In Bezug auf Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, von der ich gestern geschrieben habe, fa#llt mir auf, dass bei den Griechen wie bei den Juden, der Inhalt der Ethik, das was getan werden muss, und dass was nicht getan werden darf, in aller Wahrscheinlichkeit sich aus dem Volkserleben, aus dem Volksglauben ergeben und entwickelt haben, dass bei beiden Vo#lkern die Rechtsbestimmung ein Kommunalverfahren gewesen ist. Man mag die O#dipussage darauf hin auslegen, dass das Vergehen des Menschen aus seiner Unwissenheit geschieht. Man mag es aber auch scha#rfer und ha#rter deuten, dass der Mensch auch ohne sein Wissen, gegen seine Intentionen und unbewusst das Schlechte zu tun vermag, und dass sein Unwissen ihn keineswegs entschuldigt. Und dass in die Begrenztheit seines Erkenntnisvermo#gens eine Art Ur oder Grundsu#ndigkeit ausmacht. Und dies besagte ja dann gerade das Gegenteil von Kant's Gutem Willen welcher offensichtlich Bewussein und Wissen voraussetzt.