am 15. November 1989 .PP Was ich mir vorgenommen habe, ist einen Standpunkt zu bezeichnen, einen archimedischen Punkt an dem die Welt und der Mensch ins Gleichgewicht kommen. An diesem Punkt erscheinen Welt und Mensch, sozusagen, qua sub specie aeternitatis, doch die Ewigkeit um die es hier geht, liegt nicht in der Zeit, sondern in der Seele. Denn dass Mensch und Welt im Gleichgewicht wa#ren bedeutet die Ku#rzung der Ewigkeit zu Gunsten des Menschen und die Erweiterung des Augenblicks zur Welt. .PP Ich glaube ein solcher Ausgleich hat hohen Wert, aber ich mag daru#ber ta#uschen. Insofern ich das Gleichgewicht zwischen Mensch und Welt anerkenne, verkenne ich die herko#mmliche Begriffsordnung und weigere mich ihr den Vorrang einzura#umen welchen sie gewo#hnlich behauptet. Wenn Werte notwendig, unentbehrlich sind, dann will ich einen anderen Wert also, eine Umwertung. .PP U#ber die Folgen der Verdinglichung des Menschen bin ich mir im klaren, und den Erfolg der begriffsma#ssigen Gleichschaltung der Geister bezweifele ich nicht. Dass aber die Verdinglichung dabei doch ihr Nachteile hat, dass es etwas am Menschen gibt, das nicht zum Gegenstand werden will, daru#ber bin ich mir auch nicht im Zweifel. Wenn Kontroverse entsteht, so ist dies der Fall, weil ich nicht zulasse, dass diese Nachteile u#bersehen werden, weil der Mensch des wissenschaftlich-technischen Erfolgs aber, wie ein triumphierendes Kind mit seinem Spielzeug, die Grenzen seines Spiels nicht wahr haben will, und immer und immer mehr will. .PP Das Denken will gelernt sein, wie man das Sehen lernt. Wie aus Teilen ein Ganzes erkannt wird, wie aus Punkten und Strichen Bilder werden, so entsteht aus vereinzelten Begriffen, Vorstellungen, Gefu#hlen das Denken als die gefu#gte, Wechselwirkung des Geistes mit dem Leben. .PP So wie das Sehen sich entwickelt indem der Mensch mit offenen Augen der Welt begegnet, so entwickelt sich das Denken indem der Mensch das eigene Erleben betrachtet und belauscht und in Begriffen und Worten Erkla#rung und Ausdruck gibt. Demgema#ss male ich mit meinem Schreiben das Bild einer geistigen Landschaft etwa wie ein Maler ein Bild von Stadt oder Feld. In einem Fall wie im anderen bemerkt der Beschauende bei der Betrachtung des Bildes Gestalten, Formen, und Beziehungen die er sonst unbesonnen u#bersehen ha#tte. .PP Was ich hier aufzeichnen mo#chte sind Knotenpunkte des Erlebens. Das Wissen und Unwissen, die Art und Notwendigkeit der Handlung, u.s.w., und wenn ich viele Ansa#tze zu solchen Beschreibungen mache, so tue ich es wie ein Maler viele Skizzen von gerade der Gestalt verfertigt die ihn fesselt. .PP Man wird meinen Versuch der Unzula#nglichkeit der konventionellen Rationalisierung gerecht zu werden kritisieren. Die Unzula#nglichkeit der Rationalisierung wird nicht geleugnet, aber Streit aber entsteht daru#ber, wie sie behoben werden soll. Denn die Unzula#nglichkeit gewahr werden bedeutet aus dem Kreis der anerkannten Regeln auszutreten, sie gibt Gelegenheit eigenem Erleben Ausdruck zu geben und erscheint als Angriff auf das Geistesgut anderer.