am 12. November 1989 .PP Oftmals, bei dem Versuch einen Anhaltspunkt fu#r mein Denken zu bezeichnen, oder ein zuverla#ssliches Gebiet des Urteils abzustecken, berufe ich mich auf einen Bereich, dem ich verschiedentlich den Namen das Biologische gegeben habe. Doch ist der Ausdruck irreleitend, denn, was man sich gela#ufig unter dem Wort Biologie vorstellt, ist etwas anderes als was ich damit meine. .PP Ich meine nicht das herko#mmliche Schulfach welches die begriffliche Lehre von Lebewesen, von Pflanzen und Tieren darstellt. Eine solche Lehre, weil eine objektive Darstellung, ist ausser Stand das subjektive Erleben und Erkennen des Menschen zu begreifen. .PP Vielmehr habe ich, wenn ich mich auf einen biologischen Gesichtspunkt berufe, jene Perspektive im Sinn, welche das innere subjektive Erleben des Einzelnen unverblu#mt als Vorgang eines Tiergemu#ts deutet, 1) .FS 1) und damit dem Tier auch Subjektivita#t (Seele) anerkennt. Denn die Verleugnung des Ichbewusstseins beim Tier ist der verheerendste Irrtum dessen unser Anspruch aus Menschsein sich schuldig macht. .PP U#berhaupt ist meine Beziehung zum Tier der Schlu#ssel meines Versta#ndnisses meiner selbst. .FE und allen Vorurteilen u#ber des Wesen des Menschlichen als vom Tier unterschiedenen, entsagt. Und nicht nur dies. Wichtiger noch ist das Entsagen, das Einklammern, einer allen gegenwa#rtigen gegliederten O#ffentlichkeit, der Objektivita#t, der Wissenschaftlichkeit, 2) .FS 2) Die Vorstellung von der Wissenschaft ist der unmittelbarste Bezeugung der Gegensta#ndlichkeit der Begriffe, der Objektivita#t. .FE Aus dieser Perspektive des Biologischen, oder wie immer man es nennen mag, erscheint das eigene Dasein nichts weniger und nichts mehr als eine Anreihung ineinanderfliessenden Erlebens, und das Gemu#t als Tra#ger dieses Erlebens, beansprucht nichts daru#ber hinaus, als nur solches zu sein, und gewa#hrt anderen Menschen, und anderen Lebewesen, ein a#hnliches. .PP Dieses also, diese voraussetzungslose Annahme des Erlebens und der Erlebenskette als Grundlage (Fundament) der Erkenntnis, habe ich, vielleicht ungeschickter Weise, als die biologische Perspektive bezeichnet. .PP Diese biologische Perspektive ist also eine existenzielle, insofern als sie zwar die Eingliederung der Welt ins Wesen und Erleben des Einzelnen anerkennt, aber doch nur als Bestandteil des Erlebenden. So schla#gt sie eine Bru#cke zwischen Ich und Welt, welche, weil sie sich auf die Erlebenskette des Einzelnen beschra#nkt, a#rmlicher scheint als die prunkhaft anspruchsvolle Wissenschaft, aber welche letzten Endes zwingender und triftiger als diese ist. .PP Sie ist auch bescheidener. In Bezug auf das Wissenschaftliche, la#sst sie es sich mit dem genu#gen, was der Einzelne tatsa#chlich erlebt und erlernt hat. Sie akzeptiert das Geistesgut des Einzelnen als Wirklichkeit. Das Einzige was sie als wirklich anerkennt ist das Geistesgut des Einzelnen so wie er es erlebt. und diesem Erleben gibt sie den Vorrang vor der herko#mmlichen, unu#bersichtlichen U#berlieferung welche Wissenschaft heisst, und welche behauptet Wirklichkeit zu sein oder jedenfalls zu ersetzen. .PP Diese Betrachtungsweise mit dem Namen Biologie zu bezeichnen besagt eine Umwa#lzung des Denkens, bezeugt eine U#berbru#ckung der a#usseren betrachteten Welt und der Inneren. Aber vielleicht ist der alte Ausdruck Biologie zu gru#ndlich verwurzelt, dass wir ihn in ein neues Gebiet verpflanzen ko#nnten. Dann bedu#rften wir eines neuen Ausdrucks fu#r den entdeckten Geistesraum. Wo sollten wir ihn her nehmen? .PP Unser Lernen vollzieht sich in kleinen Schritten. Es ist ein allgemeines und ungelo#stes Problem die Bedeutung eines vo#llig fremden, unerwarteten und ungeahnten Begriffes darzutun. ============== .PP Die Abtrennung des Menschen von der Welt der Tiere welche den herko#mmlichen Begriff Biologie kennzeichnet, steht in unscheinbarem doch zwingenden Verha#ltnis zu der Entsubjektivierung, der Entseelung der Welt, welche das unverkennbare Ziel der Wissenschaft ist. Das Verha#ltnis aber ist folgendes: Der Anspruch, die Welt und ihre Dinge abgetrennt vom Ich, vom Erkennenden, objektiv also, als begriffliche Gliederung zu erfassen, der Anspruch die Welt zu u#berblicken, ist nichts weniger als der Anspruch sie jedenfalls im Begriff zu erschaffen, wie Gott sie in der Natur erschaffen hat. Die Objektivierung, die Loslo#sung des Geistes vom Ich, ist Zeugnis dessen das man das Go#ttliche im Menschen nennt, und dieses vermeinte Go#ttliche gerade ist es wovon man meint, dass es den Menschen vom Tier unterscheidet. .PP Man wird erwidern, es sei Unsinn sei zu behaupten, dass die Biologie den Menschen von den Tieren trennte: sie ta#te na#mlich gerade das Gegenteil, den Menschen in die Welt der Tiere hineinzufu#gen. Und das tut sie auch, aber nicht als subjektives Wesen, sondern als Gegenstand, als Organismus, als Maschine, kurz, als Tier. .PP Auch ist es eine verfehlte Befu#rchtung, dass die Betrachtungsweise welche ich hier vorfu#hre einen Ru#ckfall in den Animismus darstellt, in dem sie einem ungezu#gelten Vorstellungsvermo#gen erlaubt den Tieren und Pflanzen und vielleicht sogar den leblosen Dingen ein Seelenleben, ein Bewusstsein hinzuzudichten. Denn Bewusstsein la#sst sich nicht wie Spielkarten verteilen. U#berhaupt ist es widersinning es auszusagen.