am 26. Oktober 1989 .PP Ich merke es, dass ich nicht mehr ganz so viel zu arbeiten vermag, wie einst, dass ich des abends fru#her ermu#de. So auch gestern, wo ich um etwa halb zehn Uhr, der Mu#digkeit halber, mit den korreturen an meinem Tagebuch aufho#rte, und einige Seiten in der biographischen Einleitung zu Muttis Hoelderlinausgabe las. Mir fiel auf, wie sehr Hoelderlins Leben von der ersehnten o#ffentlichen Anerkennung als Dichter, als Literat, abzuha#ngen schien, und von den verschiedenen gesellschaftlichen Beziehungen zu Schiller und Goethe, zu Herder und Wieland. Daneben die perso#nlichen intimen Bande zu Mutter und Bruder, zu Frau von Kalb, zu Neuffer und Sinclair, und nicht zuletzt zu Susanna Borkenstein. Die Heteronomie dieser Existenz verwundert mich. Oder liegt das verwundernswu#rdige an mir? Dass ich entschlossen bin, unauffa#llig und unbemerkt mein Leben abzuwickeln. Vielleicht ist das, und ich bin bereit es zu bekennen, eine aus der Not hervorgezauberte Tugend, insofern als der Verkehr und das Streben nach o#ffentlicher Anerkennung nur die Unzula#nglichkeit meiner Fa#higkeiten und meines Eifers ans Tageslicht befo#rdern wu#rde. .PP Weitere U#berlegungen zu dieser Frage sind fruchtlos. Die Spannung zwischen dem o#ffentlichen und dem privaten la#sst sich nicht lo#sen. Der nach aussen gewendete Geist bu#sst an Sinn und Wahrhaftigkeit ein, wa#hrend der lediglich sich selbst gewidmete, irrsinnig ist. Deshalb kann ich nicht umhin, mich an die Vorstellung zu klammern, dass es mo#glich sein muss, dass diese Zeilen doch eines Tages von einem wohlwollenden Leser entziffert werden.