am 18. Oktober 1989 .PP Ich meine zwei breite Einteilungen des geistigen Erlebens zu erkennen. Erstens das Idealisieren der Welt, wobei der Mensch sich die Welt als vermeintlich vollkommen vorstellt, oder, insofern diese Vollkommenheit noch nicht erreicht ist, sie sich als bevorstehend verspricht. Es dauert dann Jahre, bis der Mensch gereift und entta#uscht, erkennt, dass diese Vollkommenheit nie bestanden hat und nie bestehen wird. Ein Korrelat der Idealisierung ist die Mutmassung, dass der Mensch die Welt verstehen ko#nnte und ihr in seinen Ausfu#hrungen und Erkla#rungen bu#ndigen Ausdruck geben. Nicht weniger erschu#tternd als die Einsicht in die Unvollkommenheit der Welt ist das gewahr werden ihrer Unversta#ndlichkeit. Zweitens die Dialektik, das hin und wider des Geistes, folgt dem Verfall des Ideals, entspringt der Erkenntnis, dass es keine Lo#sung gibt, dass keine Begriffe u#ber die der Mensch verfu#gt der Wirklichkeit genu#gen, dass jeder der Versuche zu begreifen nur halbe Wahrheit erntet, eine Verzerrung des Wahren, welche wiederum durch eine zweite, and sich ebenso fehlerhaftes Postulat ausgeglichen werden muss. Die Dialektik bietet auch keine Lo#sung, aber sie verlegt die Probleme, und na#mlich in eine Spha#re, wo ihre Problematik, wo die Unzula#nglichkeit jeder vermeinten Lo#sung in den Bereich des Handelns und Wirkens hineindringt. Eine dritte vermeintliche Erkenntnisweise, na#mlich die Mutmassung man ko#nne die Welt, die Wirklichkeit, "wie sie ist", als wirkliches begreifen, ist verfehlt, denn unsere Wahrnehmung besteht in unvermeidlicher Idealisierung, ob wir nun bereit sind diese als solche zu erkennen oder nicht.