am 3. Mai 1989 .PP Auf dem Gebiet der Religion entdecke ich auch einen Konflikt zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft. Man bedenke nur, dass es einer U#berliefreung bedarf um die Gegebenheiten der Religion dem Einzelnen zuga#nglich zu machen. Es ist aber das Wesen der Gesellschaft, den Einzelnen ihren Gesetzen zu unterwerfen. Nicht Freiheit ist es, sondern Zwang mit welcher die Gesellschaft dem Einzelnen begegnet. Die Freiheit muss der Einzelne sich immer wieder von der Gesellschaft abfordertn, immer wieder fu#r sich behaupten. .PP Die Erkla#rung fu#r die Neigung der Gesellschaft die Freiheit des Einzelnen zu beschra#nken, oder ihn ihrer zu berauben scheint mir nicht schwierig zu entziffern. Die Gesellschaft besteht aus Einzelnen, aus Beamten welche sich ihr notgedrungen oder freiwillig untergeordnet haben. Der Beamte ist aber auch ein Einzelner, in welchem Masse auch er seine Individualita#t seinem Amt untergeordnet haben mag. Zwischen Einzelnen aber besteht immer Konkurrenz, die Eifersucht und der Neid welche einst Kain und Abel zum Schicksal wurden. Aus Neid entspringt das Verlangen nach Gleichheit, und der Beamte, der Sklave der Gesellschaft, sagt zu dem unabha#ngigen Einzelnen: "Wenn ich nicht frei bin, warum sollst du es sein?" Seine Bemu#hungen zielen nunmehr dahin dem Einzelnen dieselben Fesseln anzulegen, die er selbst tra#gt, nicht aber dahin selbst frei zu werden, denn zur Freiheit ist er unfa#hig. Er fu#hlt sich zu schwach. Vielleicht hat er auch Angst vor ihr. Deshalb wendet er all die ihm zur Verfu#gung stehende Macht dazu an dem Einzelnen, Unabha#ngigen die selbe Abha#ngigkeit und die selben Beschra#nkungen aufzuerlegen wie die denen er sich selber bequemt hat. .PP Folglich entwickelt sich die Gesellschaft, je reicher und ma#chtiger sie wird, unerbittlich zu einem Netz von Gesetzen und Regeln welche den Einzelnen vo#llig umgarnen, welche seine Einbildungskraft und Produktivita#t ersticken, bis sie zuletzt die Gesellschaft selbst zum Untergange bringen.