.PP am 25. September 1988 .PP .fi .na Im Neuen Testament soll die Wirklichkeit Gottes durch Wunder, durch die Jungfrauengeburt, durch die Auferstehung und Himmelfahrt bezeugt werden, durch die Werkwunder des Christus besta#tigt. Im Alten Testament ist Jehovah das einzige Wunder. Dieser Eindruck mag Folge unterschiedlicher Betonung sein, dass in den Darstellungen des Neuen Testaments weit mehr Nachdruck auf Wunder gelegt wird, als in den Legenden des Alten. Jedenfalls scheint es mir, dass im Neuen Testament die Wunder als Beweise der Go#ttlichkeit wirken, wa#hrend sie im Alten Testament nur Erscheinungen, fast zufa#llige, des Wesens und Wirkens Gottes sind. .PP Entsprechend auch eine Unterschiedlichkeit in der Betonung des Glaubens. Die Gestalten des Alten Testaments wandeln entweder in Jehovahs unmittelbarer Na#he, in seinem Schutz, nach seinem Rat und Willen, oder aber in Su#ndigkeit von ihm getrennt. Des Menschen Beziehung zu ihm ist zu Unmittelbar als das sie des Glaubens bedu#rfte. .PP Von diesem Gesichtspunkt aus, erscheint die paulinisch-luthersche Glaubenslehre als eine Spezies Selbstbetrug. An das was das Leben unmittelbar erha#lt, an Licht und Luft bedarf es keinen Glaubens. Genausowenig bedarf der Mensch dem das Heilige gegenwa#rtig ist des Glaubens an Gott. Anders, den Ausdruck Glauben als gleichbedeutend mit einem Bewusstsein von seiner Unmittelbarkeit zu benutzen, bewirkt eine u#berflu#ssige Verwirrung der Begriffe. .PP Jedenfalls ist es eine widerspru#chliche Forderung an ein Wunder zu glauben, oder sich durch ein Wunder zum Glauben, d.h., zum Bewusstsein der Unmittelbarkeit Gottes bekehren zu lassen. Darin liegt die Gefahr, dem Go#tzendienst zu verfallen, indem man das Wunder selbst zum Gotte macht.