.PP am 31. August 1988 .PP .fi .na Auch in der Kunst und besonders hier, spiegelt sich der Zwiespalt zwischen Mensch und Gesellschaft. Wenn dem jungen Menschen zu erst von der Kunst aufgeht, fu#hlt er sich berufen einem Erleben Ausdruck zu geben von dem er irrtu#mlicher Weise voraussetzt dass es zugleich dem o#ffentlichen und dem eigenen entspricht, dass es also die beiden mit einander in Einklang bringt. Tatsa#chlich scheint dies zum Beispiel bei o#ffentlichen Feiern bei Konzerten, bei Theatervorstellungen zu geschehen, jedenfalls lassen sich Veranstaltungen dieser Art entsprechend deuten. Ins Besondere aber sind die kirchlichen Veranstaltungen, die o#ffentlichen Gottesdienste in diesem Sinne zu verstehen. Im Schema einer idealisierten Gesellschaft mo#chten sie denn auch diese Funktion erfu#llen. In der Wirklichkeit aber ist es anders. Ich weiss es nicht, und traue mir kein Urteil daru#ber zu, bis zu welchem Grade der Kirchengottesdienst diese mutmassliche Funktion erfu#llt. Das Menschendasein, oder sollte ich sagen, mein Versta#ndnis von diesem Dasein, leidet an so viel Ungereimtheiten, dass zwar ein theoretisches Urteil u#ber ideale Zusta#nde stets mo#glich ist, dass Tatsachenfragen aber immer nur einzeln, auf Grund perso#nlicher Erfahrungen beantwortet werden ko#nnen, und die Welt ist zu vielfa#ltig, dass man eigene Erfahrungen mit Zuversicht auf sie ausdehnen sollte. Bemerkenswert aber ist jedenfalls im protestantischen Dogma die Neigung zur dialektischen Auflo#sung dieser Gemeinsamkeit, insofern als der in seiner Gemeinde Geborgenheit suchende Christ ausdru#cklich an sich selbst und in sich selbst zuru#ckgewiesen wird, so dass sein Bedu#rfnis sich in Gemeinschaft zu verlieren unbefriedigt bleibt. .PP Was aber die Kunst anlangt, so scheint der junge Mensch in seinem naiven Idealismus recht zu haben. Ihre Aufgabe sollte es sein, die Kluft zwischen dem Einzelnen und seiner Gesellschaft zu u#berbru#cken, in dem sie seinen Gefu#hlen und seinem Erleben einen Anhaltspunkt gibt, der ihn aus seiner (Vereinsamung) Isolierung befreit. Ein Mass der Gesundheit, des seelischen Wohlstandes einer Gesellschaft mo#chte sein, mit welchem Erfolg die Kunst diese Aufgabe erfu#llt. Mir fa#llt auf, dass in Amerika heutzutage die Kunst sehr vielfa#ltig ist, dass sie viele Eigenarten und Merkwu#rdigkeiten umspannt, so dass sich fast keiner von ihr ausgeschlossen zu fu#hlen braucht, dass aber andererseits ein jeder fortwa#hrend auf ihm unsympathische Kunsterscheinungen sto#sst, und sich entsprechend aus der Gesellschaft ausgeschlossen fu#hlen mag. Ich bin mir nicht einmal daru#ber im Klaren, ob eine Gesellschaft mit einfo#rmiger Kunst, selbst wenn sie mo#glich wa#re, als wu#nschenswert betrachtet werden sollte. Die Kritik an wesensfremder Kunst entspringt oft aus perso#nlich innerlicher Unsicherheit, und aus einer u#bereiligen Bereitschaft eine Welt nach eigenem Masse zu verlangen.