.PP am 12. August 1988 .PP .na Die Vorstellung von der Freiheit ist ein Schlu#ssel zum Versta#ndnis unseres Verha#ltnisses zur Welt im Allgemeinen und zur Gesellschaft im Besonderen. .PP Zu erst, die Betrachtung des Freiheitsbegriffs in Beziehung auf die Natur als von der Gesellschaft unterschieden. 1) .FS 1) Die Annahme, dass die Gesellschaft der Menschen ausserhalb des Rahmens der Natur liegt, ist ein verha#ngnisvoller Irrtum. Zwar erscheint die Gesellschaft als Teil der Welt, ein Teil der Natur aber scheint sie nicht. .FE Es ist ein Widerspruch, der jedem der versucht hat sich in die Natur zu flu#chten, bekannt ist, dass diese dem Menschen Grenzen und Schranken und Lasten auflegen, welche ihn nicht weniger bedru#cken als die von der Gesellschaft ihm auferlegten Pflichten. Die Kirchentradition weiss viel von den Banden des Todes zu berichten. Vergleichbar sind die Bande der Krankheit, des Leiden an Hunger, Durst, Hitze, Ka#lte, an Mu#digkeit, geistger und ko#rperlicher Erscho#pfung, und die u#berhaupt die Beschra#nkungen welche unsere Ko#rperlichkeit uns auferlegt. .PP Bemerkenswert ist, dass uns Beschra#nkungen dieser Art im Allgemeinen nicht als Freiheitsbeeintra#chtigung erscheinen, Dass wir sie vielmehr als unvermeidbar, etwa als von Gott gesandt empfinden. 2) .FS 2) Dieser Zusammenhang erinnert and die Unterscheidung Schillers: "Doch besser ists ihr fallt in Gottes Hand als in der Menschen." .FE Die Freiheit wird durch die Handlungen anderer Menschen beschra#nkt. Was uns "von Gott" geschieht, beeintra#chtigt unsere Freiheit nicht. Anders betrachtet, Gott ist ein Begriff welcher uns mit der Natur verso#hnt, der uns befreit nicht indem er die Schranken der Natur aufhebt, sondern indem es einem jeden Menschen mo#glich wird, die Schranken der Natur zu verinnerlichen und als Schicksal zu betrachten. 3) .FS 3) Rilkes Lehre vom eigenen Tod ist eine dichterische Darstellung dies urspru#nglichen religio#sen Erlebnisses. .FE Die lutherische Lehre, dass der irdische Herrscher Stellvertreter des himmlischen sei, die englische Lehre des Divine Right of Kings, sind beide, jedes in seiner Weise ein Versuch die Gesellschaftsordnung gegen die Stigmata der Sklaverei, der Knechtschaft zu immunisieren. Denn ein Knecht Gottes zu sein, heisst seinen Herrn im eigenen Gemu#t zu bewahren, heisst sein eigener Herr zu sein, heisst frei sein. Wo Gott der Ko#nig ist, ist der Mensch frei. .PP Die Knechtschaft oder die Sklaverei erfolgt durch Abha#ngigkeit, durch Unterordnung unter die Herrschaft eines anderen Menschen. Nun sind ja, ihrem Wesen nach, die Menschen u#berhaupt von einander abha#ngig, vermo#gen es nicht in Abgeschnittenheit von einander zu leben. Und da ihre geistigen und ko#rperlichen Kra#fte unterschiedlich sind, bildet sich von selbst eine Rangordnung welche den einen Menschen dem anderen unterordnet. Nun sind aber die Menschen auch Nun besteht aber auch in Bezug auf den Genuss des Raumes, der Lebensmittel, und der Frauen, Konkurrenz unter den Menschen, nicht nur das jeder mehr und besseres und scho#neres als der Na#chste begehrt, der Wettbewerb ist solcher Art, dass er, wenn es ihm gela#nge, den Na#chsten seiner Lebensmo#glichkeit berauben wu#rde. Weshalb sich dieser, begru#ndeterweise, gefa#hrdet fu#hlt, und diese Furcht ist eine wesentliche Ursache der Abscheu vor Knechtschaft und Sklaverei welche die Menschheit beseelt. .PP Es erscheint also das Freiheit einerseits, und Knechtschaft am anderen Extrem der Unabha#ngigkeitsskala, nie absolut sind. Denn unbedingte Freiheit ist denkbar nur bei vo#lliger Vereinsamung des Menschen, welche sein Leben unmo#glich macht. Ebenso ist unbedingte Knechtschaft mit dem Leben, jedenfalls mit einem gesunden Leben unvereinbar.