am 9. April 1988 .PP .na Auf dem Tonbandgera#t im Auto habe ich das Gedicht Kassandra von Schiller geho#rt, jedenfalls mutmasse ich, dass es von ihm herru#hrt, denn die Wahl der Ausdru#cke und die Festigkeit der Reime sind wie ich sie bei ihm erwarten wu#rde. Bis jetzt habe ich es in meiner Schillerausgabe, welche jedoch nicht vollsta#ndig ist, noch nicht finden ko#nnen. Das Gedicht wird von einer hervorragenden Schauspielerin mit viel Pathos und Ausdruck vorgelesen, und hat vielleicht deshalb, oder warum auch immer, hat mich stark beeindruckt. .PP Schuld an der Gleichgu#ltigkeit mit der wir uns von Schiller abwenden, ist vor allem sein beru#hmter Idealismus schuld, ein kindlich-kindisches Kompromiss mit der herko#mmlichen Moral welche uns erst verlockend, dann entta#uschend, wenn nicht gar betru#gerisch anmutet. Hat man sich nun aber einmal mit der Unzula#nglichkeit des Idealismus abgefunden, so ero#ffnen sich Einsichten in das Menschenschicksal welche durchaus mit denen von Kleist, Ho#lderlin oder Bu#chner vergleichbar sind. So auch Schillers Begreifen des Schicksal der Kassandra in ihrer Einsamkeit und Verlassenheit. .PP Margaret und ich waren heute morgen zu einer Museumsausstellung von holla#ndischer Landschaftsmalerei, eine Kunstgattung welche von jeher einen Zauber auf mich ausgeu#bt hat. Von den Bildungsreisen der fla#mischen Maler nach Italien hatte ich keine Ahnung, und es war pikant zu bedenken wie ihre grossartigen Gema#lde der Gebirgslandschaften die sie durchreisen mussten fu#r sie eine Erinnerungsbedeutung vergleichbar mit der unserer Photographien der kanadischen Pa#sse gehabt haben muss. Auch wurde es mir klar, wie vereinsamt und versteckt in seiner Welt ein jeder Mensch lebt, und wie es die Hauptwirkung der Kunst ist, in diesem Falle der malerischen, fu#r die von die von ihr Begu#nstigten eine gemeinsame Welt zu schaffen. .PP Beim Fortgehen, sahen wir uns verschiedene Bilder in anderen nicht der Landschaftsmalerei zugeteilten Ausstellungra#umen an, und bei den Spaniern, bei Goya und Velasquez erpackte, wie immer, mich das Grausen, so dass mir nichts lieber gewesen wa#re als mit dem na#chsten Flugzeug wieder in die Heimat (in welche denn?) zu entfliehen.