am 26 November 1987 .PP .na Aus wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive sind die radikalen Konsequenzen der Existenzphilosophie kaum zu unterscha#tzen. Bedenken muss man wie seit Jahrtausenden die geistige Entwicklung bestrebt war, wie es das Ziel des geistigen Schaffens war, das Erleben auf Begriffe zuru#ckzuleiten. So des Aristoteles Metaphysik. Und seit Kierkegaard das Bestreben diese Reduktion in gewissem Masse ru#ckga#ngig zu machen. Die Begriffe auf das Erleben zuru#ckzuleiten. Nicht das Erleben aus den Begriffen zu erkla#ren, sondern die Begriffe aus dem Erleben. .PP Um hier zu einiger Klarheit durchzudringen, ist es notwendig sich daru#ber zu versta#ndigen, was man eigentlich meint, wenn man einerseits von Begriff, andererseits von Erleben spricht. .PP Unter dem Begriff Begriff stelle ich mir alle die Gedankenbilder und Gedankenfolgen vor welche ein gegebenes Wort, ein gegebener Ausdruck, in meinem Gemu#t auslo#st. Unter dem Begriff Erleben stelle ich mir den zeitweiligen Bewusstseinsinhalt eines Menschen vor, unabha#ngig von seiner eventuellen begrifflichen Ausfu#hrung. .PP Wechselt man nun eine begriffszielende Geisteskultur gegen eine erlebniszielende Geisteskultur ein, so besagt dieser Tausch eine Abscha#tzung (Verringerung, Herabsetzung, Entwertung) des Gemeinsamen zu Gunsten des Perso#nlichen. Dahin hat uns die babylonische Erscho#pfung unseres Zeitalters gebracht. .PP Wobei es irrig ist, Mu#digkeit bei allen Zeitgenossen vorauszusetzen. Vielleicht sind nur diejenigen erscho#pft deren Bewusstsein, deren Gewissen sich aus der Verflochtenheit der Geisteswelt nicht mehr befreien kann. (unable to extricate themselves from the complexities of the culture.) There arises then a struggle for supremacy, won first by those who have the highest degree of immunity to the demands of the age, won in the end by those who are innocent and unaware of them, indifferent and unresponsive to their contradictions. They will look back upon us and upon our world with admiration and envy and longing much as for centuries historians have looked back to ancient Greece. .PP The flight into existentialism may be construed as an escape from problems that we are unable to solve. It is an escape which requires apologies only to the extent that the problems are surmountable, and that the attempted flight reflects indolence or laziness. Otherwise it appears as an act of self-preservation. The dilemmas of course remain, even where we have put them behind us. .PP A second interpretation is far more approving. It holds that the classical idealizations are worn out and that the existentialist analysis is a corrective action without which our society as we know it cannot continue. The existential view of human experience seeks to do justice to its complexity, and to this extent is surely more realistic and more valid than the fictions which deny all distinctions between subject and object, and purport to require only a sufficiency of time to translate the vagaries of individual existence into the social matrix that makes the phenomena of individual experience indistinguishable one from the other. The existential view of human experience has also an enhanced explanatory power with respect to scientific knowledge, both data and theory. For to sustain its validity, that knowledge requires pervasive idealization not only of the objects purportedly known but also of the symbols that come to represent the knowledge itself. .PP The task is to identify and to understand the diverse idealizations to which human nature is prone and upon which its knowledge and its society are built, but not to deny them. .PP Es war nie eine Frage, was denn Absicht des klassischen, begriffszielenden Denkens sei. Es sollte ein Begriffsuniversum geschaffen werden als Spiegelbild der Wirklichkeit, und dieser so a#hnlich, dass Abbild und Wirklichkeit ununterscheidbar sein wu#rden. Im klassischen Griechenland schien diese begriffliche Wirklichkeit des Weisen, des Philosophen Eigentum zu sein. In der Renaissance besass sie der Ku#nstler, der Baumeister, der Ingenieur, im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert, der Mathematiker, im neunzehnten, der deutsche Professor. .PP Und nun, in unserem Zeitalter lo#st sich die Wissenschaft auf ins Einzelwissen unza#hliger Spezialisten, und die Wissenschaft besteht tatsa#chlich in den verschra#nkten Beziehungen zwischen diesen. Und vielleicht ist der Wissenschaftler unbefriedigt, weil er der Frucht seiner Bemu#hungen, eines umfassenden Wissens betrogen sieht, und weil er nun von einem unbefriedigendem Gesellschaftswissen abha#ngig geworden ist. .FS U#brigens bin ich mir im Unklaren daru#ber, ob und in welchem Ausmasse der Durchschnittsmensch unter dieser Lage leidet. Vom Durchschnittsmenschen zu reden ist eine heikle Sache, denn keiner ist, fu#r sich selber, ein Durchschnittsmensch. Und doch sind die Sorgen, welche ich becshreibe, nicht eines jeden Menschen Kummer. Wenn ich nun dieses Geistes und Wissenschaftsbild im Rahmen des allta#glichen Leben bedenke, so frage ich mich, fu#r wieviel Menschen es u#berhaupt eine Bedeutung hat. .FE .PP Was ist das "Erleben" worauf das existentielle Denken zielt? La#sst es sich vielleicht doch nur als negativen Begriff beschreiben, als eben das, was es nicht ist. Als das was im Gemu#te des Menschen vor sich geht. Es ist erstaunlich und in gewissem Masse erschreckend, wie abgetrennt von der Aussenwelt, wie verborgen, wie wenig mitteilbar dieses Erleben ist. Und weil es unerreichbar ist, erweckt es Ehrfurcht. Das was geschieht, sagt Rilke, hat einen solchen Vorsprung vor unserem Meinen, dass wir es nie einholen, und nie erfahren, wie es wirklich aussah. Das Geschehen worum es sich hier handelt ist inwendiges, und deshalb von aussen unantastbares. .PP Und trotzdem, trotz der Abgewandtheit vom Objektiven, vom Aktuellen, vom Welt-Historischen, wie Kierkegaard es nannte, bewirkt die existentielle Erkenntnis eine durchdringende Wandlung auch des vermeintlich objektiven wissenschaftlich historischen Versta#ndnisses. Denn trotz aller Behauptung der Gu#ltigkeit und Wirksamkeit tappt das positive Wissen dennoch im Dunkeln und wird eben durch die Erkenntnis des Erlebens als etwas ihm unerreichbaren nicht weniger als durch die Erkenntnis der historischen Bru#chigkeit, der Hinfa#lligkeit des Ideals, welche nur vom existentiellen Standpunkt erkenntlich wird, wesentlich vertieft und versta#rkt. .PP Man vermag da einen Gesichtspunkt zu erreichen von dem aus die Gegensa#tze sich erga#nzen ohne dass ihre urspru#ngliche Problematik aufgehoben wu#rde. .PP Das positive Wissen tappt im Dunkeln besteht also nicht in seiner Wahrheit, nicht in der Tatsache dass es einer Wirklichkeit ausser ihm und ausser mir entspra#che. Die Wirksamkeit des positiven Wissen besteht darin, dass es vermag eine Wirklichkeit zu schaffen, wie das schon Kant eingesehen hat. Diese von der Wissenschaft im Wissen geschaffene Wirklichkeit ist eine gesellschaftliche U#bereinstimmung, eine gemeinsame U#berzeugung, wenn man es so will, ein Gemeinschafts, eine Massenvorstellung, welche einerseits seine jeweils beschra#nkte Gu#ltigkeit und Wirksamkeit besitzt, und so von praktischer Bedeutung ist, welche aber andererseits keineswegs der Begegnung des Einzelnen mit der Wirklichkeit genu#ge tun kann. .PP Das von der Wissenschaft beschriebene Wissen ist notwendigerweise ru#ckwa#rts gewendet. Es bezeichnet gewesenes Erleben, und sucht mittels der Vergangenheit die Zukunft zu ergreifen.