am 28. September 1986 .PP Als wir ku#rzlich in Lisbon waren, beim Baumeister Pageau, um uns nach der Mo#glichkeit zu erkundigen, nach so vielen Jahren uns doch noch ein Haus zu bauen, da erza#hlte er uns beim Abschied von seinem Freund einem bestimmten Jack Carpenter, welchem ein grosses scho#nes Grundstu#ck oben auf Slate Ledge geho#rte, das unter Umsta#nden zu kaufen wa#re. Pageau begleitete uns mit seinem Lastwagen um uns genauer die Grenze des Grundstu#cks zu weisen, so eifrig war er, uns seines Freundes Besitz vorzufu#hren. Es ist ein ausgedehnter Wald, welcher etwa zwei bis dreihundert Hektaren umfasst, und auf dem Grat eines etwa viehundert Meter hohen Bergru#ckens liegt, Slate Ledge genannt, welcher Littleton und das Amonoosuc Tal vom Connecticut River trennt. Die Einfahrt ist durch ein leichtes sta#hlernes Tor. Daneben steht ein Briefkasten mit der Aufschrift "Carpenter". Ein Weg fu#hrt waldeinwa#rts. Links, nicht unfern der Strasse, doch weit genug hinter dem Laub des sommerlichen Waldes verborgen zu sein, steht in einer schmalen Lichtung ein kleines zweisto#ckiges Haus. Der Keller ist als Garage ausgebaut, und durch eine kleine Fensterscheiben sieht man ein kleines Kraftfahrzeug mit Vierradantrieb. Daneben steht ein Motorrad. Oben, hinter den gro#sseren Fenstern der Wohnra#ume sind die Gardinen gezogen. Die Wa#nde ergla#nzen matt vom bla#ulichen Schein einer Lichtro#hre. Das Haus steht leer. .PP Der Weg fu#hrt weiter in den Wald, besta#ndig steigend. Wohl zwanzig oder dreissig Jahre mu#ssen vergangen sein, seit man hier zum letzten mal Holz geschlagen hatte. Die Ba#ume waren nicht ganz gross genug, dass es sich gelohnt ha#tte sie wiederum zu fa#llen, aber scho#n genug waren sie, viel Ahorn und Birken, mitunter auch Eschen La#rchen wachsen dort und die wunderbar gestalteten Tannen die hier wie sie es nennen, im Nordlande, fu#r mein Empfinden jedenfalls, den Anblick des Waldes beherrschen. .PP Der Weg, eigenlich ist es eine Strasse, ist anfangs jedenfalls vorsichtig geebnet, mit viel Grass und anderem struppigen Gru#n u#berwachsen, so dass ab und zu des Schotters eckige Ha#rte von weicherem Boden schon zu u#berdeckt werden scheint. Rechts am Wege hat man in regelma#ssigen doch geraumen Absta#nden kleine weisse eckige Pfa#hle gestekt, mit sauberen Nummern bemalt, welche die einzelnen Grundstu#cke bezeichnen, in die Mr. Carpenter seinen Wald aufzuteilen hoffte. Scheinbar ist das nicht so gelungen wie er erwartete, und nun bescha#ftigt er sich mit dem Gedanken, vielleicht das gesammte Grundstu#ck zu verkaufen, ich hoffe an uns, wenn wir es uns erlauben ko#nnen. .PP Der Weg wird holpriger. Mitunter erscheinen Lachen in den Fahrspuren, die sich scheinbar auch bei trockenem Wetter erhalten. Zuweilen geht es steil bergauf, u#ber nackte, sich etwas hervorbru#stende Steingefu#ge, welche letzlich auch einem U#berlandwagen die Weiterfahrt, sehr schwierig, wenn nicht unmo#glich machen wu#rden. Das Gehen aber ist leicht, und wir traben fort, denn wir suchen einen bestimmten Ort, etwa vierzig Meter wegabwa#rts von dem letzten der weissen Pfa#hle gelegen. Dorthin fu#hrte, durch Tannengestru#pp u#ber moosige Felsen, ein schmaler Pfad. Ein Lagerplatz erschien, von verrosteten Bu#chsen und Abfallsa#cken aus grau-weissem Plastik verunstaltet. Doch einige Meter dahinter o#ffnete sich der Wald am Klippenrand und bot einen wunderbaren Blick u#ber das Amonoosuc Tal. Am hellblauen Herbsthimmel war keine Wolke sichtbar. Fern im Osten ragte die Presidential Range, und ihre hohen Gipfel waren mit Schnee getu#ncht. Erkennen konnte ich sie alle, die merkwu#rdige Rundung von Mount Pleasant, die mich von nah und fern stets irgendwie la#cherlich anmutet, die Spitzen von Mount Monroe, wo wir einst vor vielen Jahren im Abendlicht uns unsere Spa#tmahlzeit gekocht hatten, Mount Washington, in seiner Majesta#t doch von den Ausbeutern gekra#nkt, besser in vornehmer Abgelegenheit Mount Jefferson und Mount Adams. Nach Norden hin ziehen sich niedrigere, mir unbekannte Berge. .PP Rechts aber, viel na#her und durch seine Na#he gewaltiger erscheinend, Mount Lafayette, der Franconia Notch bewacht, wo unten die kleinen Menschen ihre gross-spurige Strasse bauen. Leicht ist es mit dem Fernglas die Greenleaf Hut zu erkennen, und Agony Ridge, die wir so viele mal bestiegen. Shining rock cliff leuchtet wie immer im Licht. Daneben das Schiegela#nde von Cannon Mountain, scheint heute wie gru#n beba#ndert in der Sonne, und weit nach rechts, teils schon vom Walde verdeckt, die Hu#gel die Lisbon beschatten, wo auch uns seit kurzem ein Stu#ck Land geho#rt.