NH 1 840411 .PP Die Verkehrsmittel, die ich benutzte um nach Konnarock zu fahren, wechselten im Laufe der Jahre, und ich sehe durch sie eine Verwandlung der Stadien meines Lebens. Erst war es die Eisenbahn, dann zeitweilig Autofahrten mit Bekannten oder Freunden, da ich selbst ja damals noch kein Auto besass. Spa#ter, als ich Medizin studierte und als ich jung verheiretet war, waren es alten Fahrzeuge, mit denen M. und ich die weite, zweita#gige Reise anstellten, und dann kam ja die sechsja#hrige Epoche, wo ich ganz nah bei Konnarock meine eigene Praxis hatte, wo ich so zu sagen versuchte mich an meine Heimat anzuschliessen. Hinterher als ich in Boston meine Ausbildung fortfu#hrte, und als ich dann selbst Augenheilkunde praktizierte, fuhren wir regelma#ssig nach Konnarock zu Besuch, meist war es alle drei Monate, und immer mit dem Wagen. So lange wie K. noch klein war, besorgte ich das Fahren selbst. Hinterher, als er a#lter wurde, half er mir denn damit, so dass die Reise einfacher und weniger anstrengend wurde. Die Zeit dieser Autofahrten nach Konnarock zog sich, ich kann es kaum glauben, u#ber ganze fu#nfunddreissig Jahre hin, und im Laufe dieser Jahre, verwandelte sich das Gela#nde, durch den Bau neuer Siedlungen, und vor allem neuer Strassen. Die Landschaft und das Leben a#nderten sich Jahr um Jahr, und wenn auch kein kausaler Nexus bestand, und selbstversta#ndlich bestand er nicht, so verwandelten sich das Gemu#t und die Landschaft die es beobachtete in zeitgebundenem Gleichmass. (so that in this instance the mind and that which it observed changed concomitantly.) .PP Wir zogen nach Konnarock als die ersten drei Monate meines zehnten Lebensjahres verstrichen waren. Der Umzug folgte in der Spanne eines Jahres auf unsere Entwurzelung aus Deutschland, die Flucht nach Amerika, und in meinem Falle, unmittelbar auf eine fu#nf Monate langen Aufenthalt in fremdem Hause, von meinen Eltern getrennt, wo ich die fu#nf traurigsten Monate meines Lebens abwartete. Erst jetzt, fu#nfundvierzig Jahre spa#ter, fange ich an zu verstehen warum ich so entgeistert war. Doch diese autoanalytische Ero#rterung geho#rt in eine anderes Kapitel. Nur sei bemerkt, dass die Einwurzlung in die neue Heimat, so scheint es mir jetzt, umso eifriger und leidenschaftlicher geschah, weil der Verlust der Alten, und die Schmerzen des verlierens mir noch so lebhaft in den Gedanken schwebten und meine Phantasie entsprechend bewegten. Dabei liess die neue Heimat durchaus viel zu wu#nschen u#brig. Wie die Pflanze sich denn auch notdu#rftigerweise um zu Leben in steinige Erde ihre Wurzeln dra#ngt. Der Ort war nicht was wir und gewu#nscht hatten, doch frage ich mich, ob es klug oder recht ist, abscha#tzig zu urteilen, wo es uns doch am Ende so wohl ergangen ist. Auch denken es sei eine ungeho#rige Anmassung, u#ber das was letzten Endes sich uns als Schicksal aufdra#ngt, ein Urteil zu wagen. Hiesse das nicht die grosse von Gott gegebene Fa#higkeit uns anzupassen und einzufu#gen zu beleidigen? Sollten wir nicht fu#r alles was uns geschieht und was wir u#berleben stillschweigend dankend sein?