Göttingen, Bühlstraße 21 Im November 1926 Lieber Heinz! Man würde vielleicht sagen es sei grausam einem Menschen der glücklich ist, weil er das Ideal eines Menschen für sich gefunden hat, wirklich ganz offen die Wahrheit zu sagen, auch dann wenn sie nicht nur bewundernd und zustimmend ist. Aber Du verlangst von mir, dass ich offen bin, und da ich selbst ja so sehr viel jünger und unerfahrener bin als Du, braucht ja meine Ansicht gar keinen Eindruck auf Dich zu machen und es steht Deinem Gefühle frei, über meinen Brief zu lächeln und meine Meinung aufassen als die eine Kindes das eben zu Dir Vertrauen hat und deshalb sagt was es denkt. Dass mich eine Verlobung mit einem Menschen der Dir so nahe steht für Dich gefreut hat, brauche ich nicht zu sagen; dass mich die Tatsache dass Du Dich mit einem christlichen Mädel so sehr verwandt fühlst ein bisschen enttäuscht hat, darf ich Dir aber sagen. - Dass ich nicht aus Prüderei so denke, weißt Du, und ich kann Dich sogar nach all Deinen Äußerungen verstehen. - Du sagst Religion bedeutet nichts als Sammlung, sie hat nichts zu tun mit Kirche und Konfession (wörtlich) [Das gebe ich Dir gern zu] Du meinst mit Religion nicht nur Religiosität, denn Religion hat auch meiner Ansicht nach (Buber!) mit all diesen Dingen ja! zu tun.- Ich gebe gern zu, ich bin sogar überzeugt davon, dass es viele Menschen gibt die sehr religiös sind und sich von jeglicher Religion lossagen. Aber meine Ansicht nach kann dies alles nur äußerlich sein. Ein Mensch kann sich gedanklich wenn es so viel ist auch gefühlsmäßig - mit all den "religionsmäßigen Dingen" auseinandersetzen und sie abzustreifen versuchen, aber das was wir vom Menschlichen in uns haben das durchtränkt ist mit der Eigenart des Volkes, des lang in uns verwurzelten Glaubens, darüber können wir uns nur hinwegtäuschen aber wir können es niemals abstreifen. Meiner Ansicht nach gibt es nur für uns (F) die Möglichkeit, dass wir garnichts von Religion oder Religiosität sagen und nur alles auf der rein verständnismäßigen Materie aufbauen wollen oder dass wir ein BESONDERES religiöses Empfinden haben und das kann meiner Ansicht nach für uns Juden nur eine spezifisch jüdische Religiosität sein. Eine "allgemeine menschliche" Religiosität losgelöst von dem Einfluss unserer Eigenart, gibt es für mich nicht! Ich selbst bin mir heute noch sehr wenig klar ob ich jüdisch religiös bin, aber deshalb weil ich auch nicht weiß ob ich überhaupt religiös sein kann. Ich glaube aber dass ich auf dem richtigen Wege bin. F) Ich rechne zu diesen Menschen natürlich überhaupt nur die, die sich mir diesen Dingen auseinanderusetzen vorgeben. (2) "Wer spricht von siegen, überstehen ist alles!" Jeder Standpunkt will halb erkämpft und ganz erfasst sein. Dass die verschiedenen Menschen bei verschiedenen Standpunkten stehen bleiben die ja auch der Natur des Individuums entspricht, ist klar.- Und wenn ich deshalb deine Ansicht mit der meinen nicht in Einklang bringen kann, ja gerade zuletzt weil es so ist, weil unsere Wege da wahrscheinlich verschieden gehen, wünsche ich Dir auf Deinem Wege im Zusammenleben mit Deiner Braut und späteren Frau recht viel Glück und alles Gute und Schöne das Ihr Euch selbst wünscht. Ich bin ja heute noch viel zu jung um meine Ansichten die ich heute vertrete, auch für micht für immer bestimmend zu erklären. Ich stehe noch viel zu sehr in der Entwicklung um mich für etwas ganz absolut zu entscheiden und mein geringes Alter und die geringe Erfahrung im Verhältnis zu Dir mögen es vielleich ein bisschen überhebend oder anmaßend erscheinen lassen, wenn ich in meiner Offenheit noch weiter gehe. Du sollst es ja eben nur wissen!! Und warum sollten wir Verstecken spielen? Ich glaubte Dich, trotz der kurzen Zeit wo wir uns gegenseitig als einigermaßen erwachsene Menschen (auf mich bezogen) gegenüberstanden ziemlich gut zu kennen, und in all Deinen Briefen und Reden - in Deinem vorletzten Briefe schriebst Du erst wieder Du seist noch selbst sehr jung - schloss ich dass Du als Mensch wohl auch noch sehr in der Entwicklung stündest, - in Vielem Stimmungen und Einflüssen unterworfen - und ich hätte Dir einen derartigen Entschluss noch nicht zugetraut! - Offener kann man wohl nicht sein. Aber Du weißt wie ich es meine. Und wenn ich mich eben darin getäuscht habe, dass Du Dich doch so sicher fühlst, dann freue ich mich erst recht für Dich! Mögest Du selbst befriedigt sein! Das wünsche ich Dir recht herzlich. - Wenn es auch nur wenige Briefe sind, die ich von Dir bekommen habe, und wir uns auch nur wenig gesprochen haben, so hast du mir doch recht viel gegeben und ich bin Dir dankbar dafür. - Wenn ich es mir vielleicht auch nur eingebildet habe, dass ich dir bis jetzt etwas hatte geben können, so bemächtigte mich doch bis jetzt diese Einbildung zu der Annahme, dass wir eben gegenseitig Freunde sein könnten. Da aber eine Freundschaft ziemlich sinnlos ist, wenn sie nicht auf gegenseitigen beiderseitigem Geben beruht, und ich Dir heute natürlich nichts mehr geben kann, da Du eben den einen Menschen hast an den du dich wenden must und kannst, hat es sicherlich nicht viel Sinn wenn wir unsere Korrespondenz fortsetzen. Ich raube die Zeit in der Du mir schreiben würdest nur deiner Braut und Gattin und hätte nur eigenen Vorteil davon,ohne selbst geben zu können. - Übrigens habe ich mich nicht um die Stollen für Dich bemüht. Dein Dank gebührt mir nicht. - sondern die Leute wussten nur dass ich Deine Adresse wusste und frugen mich drum. Bist Du denn eigentlich in Dortmund oder in Braunschweig; der Brief kam doch von Braunschweig? - Großmutter und die Eltern waren natürlich nicht wenig überrascht. sie wünschen Dir von Herzen Glück. Was ich dir wünsche gilt natürlich ebenso für Deine Braut. Herzlichst, Deine Käte XXXXXXXXXXXXXXXXX Kathe Bachmann verh. Dr. Georg Seligsohn. wohnte spaeter in Dresden Vater Adolf Bachmann, geb 1859, gest 1937 zog 1932 nach Hamburg Mutter Thekla Bachmann geb Rosenmeyer geb 1864 gest ? 2. Heirat Henriette Bachmann geb Oppenheim sie wohnten Bühlstraße 21. 20 DATEI G - Hainberg-Gymnasium Göttingen - Yumpu https://www.yumpu.com › view › 20... · Translate this page G 03 Käthe Bachmann 3625. Bachmann; Käthe; 1908; 06.09 1921; IV; 1928; AP. Vater: Adolf Bachmann, Kaufmann ... 312 DATEI SNR nach ABC - Hainberg-Gymnasium Göttingen https://www.yumpu.com › view › 31... · Translate this page SNR Name Vorname Gjahr Gtag `Geb.ort Konf. Vater Stand Wohnung Eintr Kl. Aust Kl. 1 3625 Bachmann Käthe 1908 06.09. Göttingen israel. Adolf Kaufmann Bühlstr. 21 ... Eintritt 1921 Klasse IV; Austritt 1928 Klasse AP (Abitur Prüfung) Käthe Bachmann Hainberg Gymnasium israel. Vater Adolf Bachmann Kaufmann Bühlstraße 21